{"id":396,"date":"2023-03-21T19:13:14","date_gmt":"2023-03-21T18:13:14","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.tu-dresden.de\/arbeitspsychologie\/?p=396"},"modified":"2023-03-21T19:13:14","modified_gmt":"2023-03-21T18:13:14","slug":"excellenz-im-olympischen-sport","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.tu-dresden.de\/arbeitspsychologie\/2023\/03\/21\/excellenz-im-olympischen-sport\/","title":{"rendered":"Exzellenz im Olympischen Sport"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>von Joschiko-Emily Eckstein, Martina Dulik und Pauline Voigt&nbsp;<\/strong>&nbsp;(2. Semester Master Psychologie \u2013 Human Performance in Sociotechnical Systems, Technische Universit\u00e4t Dresden)<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/blog.tu-dresden.de\/arbeitspsychologie\/files\/2022\/08\/banner-1512645_1280.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-398\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Was hat ein Olympiasportler mit Personalpsychologie zu tun? Zweifelsohne bewegt er sich in einem Feld, welches einige gro\u00dfe Forschungsfragen der Personalpsychologie umfasst: Exzellenz und Expertise. In einer kurzen Einf\u00fchrung definieren wir Expertise und stellen zwei vieldiskutierte Ans\u00e4tze zu der Frage vor, wie sie entsteht: Durch &#8222;Innate Talent&#8220; oder &#8222;Deliberate Practice&#8220;? Unter anderem zu dieser Frage interviewen wir auch <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.teamdeutschland.de\/athleten\/details\/philipp-herder\" target=\"_blank\">Philipp Herder<\/a>, der seit 20 Jahren Hochleistungsturner ist. Wir erhielten einen anschaulichen Einblick in seinen pers\u00f6nlichen Weg zum Experten, seine Perspektive auf die &#8222;Innate Talent&#8220;- vs. &#8222;Deliberate Practice&#8220;- Debatte sowie Ratschl\u00e4ge rund um das Thema Exzellenz. Im Anschluss fassen wir die Erkenntnisse aus unserem Gespr\u00e4ch zusammen und leiten Implikationen f\u00fcr die Praxis ab.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Einf\u00fchrung: Expertise<\/h2>\n\n\n\n<p>Expert:innen sind Individuen, welche \u00fcberragende Leistungen in einer bestimmten Dom\u00e4ne vollbringen. Um der Definition zu entsprechen m\u00fcssen diese Leistungen dabei stabil sein und auf F\u00e4higkeiten und Fertigkeiten des Individuums zur\u00fcckgef\u00fchrt werden k\u00f6nnen (Ericsson &amp; Simon, 1991). Expertise setzt sich im Allgemeinen aus drei Teilen zusammen. Zum einen m\u00fcssen Expert:innen <strong>konstant eine bessere Performanz als Noviz:innen<\/strong> zeigen. Au\u00dferdem muss Expertise <strong>konkrete Ergebnisse erzeugen<\/strong>, also muss beispielsweise eine Schachexpert:in seine\/ihre Spiele auch gr\u00f6\u00dftenteils gewinnen. Zudem muss Expertise r<strong>eplizierbar und messbar<\/strong> sein (Ericsson, Prietula, &amp; Cokely, 2007). <\/p>\n\n\n\n<p>In der Expertiseforschung wird schon lange die Frage untersucht, ob angeborenes Talent (Innate Talent) eine Voraussetzung f\u00fcr die Entwicklung von Expertise ist. <\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-media-text alignwide is-stacked-on-mobile\" style=\"grid-template-columns:43% auto\"><figure class=\"wp-block-media-text__media\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"683\" src=\"https:\/\/blog.tu-dresden.de\/arbeitspsychologie\/files\/2022\/08\/pexels-cottonbro-9654738-1024x683.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-443 size-full\" srcset=\"https:\/\/blog.tu-dresden.de\/arbeitspsychologie\/files\/2022\/08\/pexels-cottonbro-9654738-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/blog.tu-dresden.de\/arbeitspsychologie\/files\/2022\/08\/pexels-cottonbro-9654738-300x200.jpg 300w, https:\/\/blog.tu-dresden.de\/arbeitspsychologie\/files\/2022\/08\/pexels-cottonbro-9654738-768x512.jpg 768w, https:\/\/blog.tu-dresden.de\/arbeitspsychologie\/files\/2022\/08\/pexels-cottonbro-9654738-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/blog.tu-dresden.de\/arbeitspsychologie\/files\/2022\/08\/pexels-cottonbro-9654738-2048x1365.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure><div class=\"wp-block-media-text__content\">\n<p style=\"font-size:11px\"><strong>Innate Talents<\/strong> sind angeborene Talente, welche sich schon im fr\u00fchen Alter bemerkbar machen (Winner, 2002). Einen der ersten theoretischen Ans\u00e4tze dazu stellte Galton (1865) bereits im 19. Jahrhundert auf. Er ging davon aus, dass nat\u00fcrliche F\u00e4higkeiten einen wichtigen Faktor bei der Entwicklung von Expertise darstellen. <\/p>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<p>Um h\u00f6here Perfomanzniveaus erreichen zu k\u00f6nnen, brauche es zwar auch Training, jedoch gebe es f\u00fcr jede Person eine unver\u00e4nderliche Leistungsgrenze, welche durch angeborene Faktoren bestimmt werde (Galton, 1865; Ericsson, Nandagopal, &amp; Roring, 2005). Allerdings sprechen einige Fakten gegen die Annahme, dass vor allem angeborene Talente bestimmen, ob man Expertise erreichen kann oder nicht. Zum einen zeigte sich, dass sich Performanz graduell \u00fcber die Zeit entwickelt und Expertise erst nach Jahren intensiver \u00dcbung (unabh\u00e4ngig davon, wie talentiert man in der spezifischen Dom\u00e4ne ist) entsteht. Au\u00dferdem ist die durchschnittliche Perfomanz in einigen Dom\u00e4nen, beispielsweise im Sport, \u00fcber die letzten Jahrzehnte hinweg stark angestiegen. Dies ber\u00fccksichtigend m\u00fcsste sich die unver\u00e4nderliche Leistungsgrenze im Durchschnitt stark verschoben haben. Daf\u00fcr gibt es jedoch keinerlei logische Erkl\u00e4rungen (Ericsson et al., 2005). <\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-media-text alignwide is-stacked-on-mobile\" style=\"grid-template-columns:42% auto\"><figure class=\"wp-block-media-text__media\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"683\" src=\"http:\/\/blog.tu-dresden.de\/arbeitspsychologie\/files\/2022\/08\/pexels-andrea-piacquadio-3763702-1024x683.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-437 size-full\" srcset=\"https:\/\/blog.tu-dresden.de\/arbeitspsychologie\/files\/2022\/08\/pexels-andrea-piacquadio-3763702-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/blog.tu-dresden.de\/arbeitspsychologie\/files\/2022\/08\/pexels-andrea-piacquadio-3763702-300x200.jpg 300w, https:\/\/blog.tu-dresden.de\/arbeitspsychologie\/files\/2022\/08\/pexels-andrea-piacquadio-3763702-768x512.jpg 768w, https:\/\/blog.tu-dresden.de\/arbeitspsychologie\/files\/2022\/08\/pexels-andrea-piacquadio-3763702-1536x1024.jpg 1536w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure><div class=\"wp-block-media-text__content\">\n<p style=\"font-size:11px\">Ericsson, Krampe &amp; Tesch-R\u00f6mer (1993) betonten als Gegensatz zur Innate Talent Annahme, dass Expertise insbesondere durch eine hohe Anzahl langwieriger, hochqualitativer Trainings (<strong>Deliberate Practice<\/strong>) entstehe. <\/p>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<p>Deliberate Practice sollte insbesondere Elemente der zu meisternden Dom\u00e4ne umfassen, welche man noch nicht bzw. noch nicht gut kann. Um effizient zu \u00fcben, sollte die Motivation der trainierenden Person geweckt, Vorwissen einbezogen, st\u00e4ndig informatives Feedback bez\u00fcglich der Leistung gegeben und fortlaufend ge\u00fcbt werden. F\u00fcr die meisten Dom\u00e4nen (z.B. Sport, Wissenschaft, Kunst) dauert es mindestens zehn Jahre bei der Anwendung von Deliberate Practice, um Expertise zu erreichen (Ericsson et al., 1993). <\/p>\n\n\n\n<p>Doch auch dies erkl\u00e4rt das Entstehen von Expertise noch nicht zur Gen\u00fcge. Weitere Faktoren wie die <strong>Pers\u00f6nlichkeit <\/strong>(z.B. Motive, Selbstregulation), die <strong>Umgebung<\/strong> (z.B. Unterst\u00fctzung, Lernumfeld), die <strong>Zielsetzung<\/strong> und das<strong> Feedback<\/strong> spielen eine wichtige Rolle. Jedoch ist anzumerken, dass sich die verschiedenen Dom\u00e4nen darin unterscheiden k\u00f6nnen, was n\u00f6tig ist, um Expertise zu erreichen (Ericsson et al., 2005). Um im Sport ein Hochleistungsniveau zu erreichen, ist Expertisebildung ausschlaggebend. Wenn man beispielsweise die Olympischen Spiele betrachtet, findet man unter den Teilnehmer:innen keine Noviz:innen, welche ab und zu gerne Sport machen, sondern ausschlie\u00dflich Menschen, welche sich jahrelang auf diesen Wettkampf vorbereitet haben. Sportlerinnen und Sportler erreichen ihren Leistungsh\u00f6hepunkt meist in ihren 20ern nach Jahren intensiven Trainings. Verschiedene Studien zeigen au\u00dferdem einen Zusammenhang zwischen der Menge und Qualit\u00e4t an Deliberate Practice und der Performanz in Sportarten (e.g. Ericsson et al., 2003) sowie in anderen Dom\u00e4nen wie Medizin und Softwaredesign (Ericsson et al., 2005). In weiteren Studien zeigte sich, dass Leistungssportler:innen eine h\u00f6here Leistungsmotivation zeigen (e.g. Elbe, Wenhold &amp; M\u00fcller, 2005) als Breitensportler:innen. Au\u00dferdem konnte erwiesen werden, dass eine bessere Selbstregulation (Selbstmotivation, Coping mit Niederlagen, Konzentration, Beibehalten von Motivation etc.) zu effektiverer athletischer Performanz f\u00fchrt und dass athletische Aktivit\u00e4ten wiederum die Selbstregulation positiv beeinflussen (MacArthur, North, 2005; Szymanski, Beckmann, Elbe, 2004). MacArthur &amp; North (2005) konnten jedoch auch zeigen, dass die genetische Disposition einen Einfluss auf die athletische Performanz hat. Somit zeigt sich hier, dass verschiedene Faktoren die Entwicklung von Expertise beeinflussen. <\/p>\n\n\n\n<p>Die Befunde zu Expertise haben enorme Bedeutung f\u00fcr die Personalpsychologie. Besonders in Berufen, welche viel Fachwissen erfordern, ist es sinnvoll, wenn die Mitarbeiter:innen Expertise in ihren Fachgebieten besitzen. Somit sollte zum einen bei der Personalauswahl darauf geachtet werden, Personen mit entsprechender Expertise einzustellen und die Arbeitsumgebung sollte so gestaltet werden, dass sich Expertise entwickeln kann. Im Rahmen dieses Blogbeitrages haben wir uns die Frage gestellt, wie Hochleistungssportler:innen selbst einsch\u00e4tzen, wie sie Expertise entwickeln konnten und wie dies eventuell auf die Gestaltung einer Expertise-f\u00f6rdernden Arbeitsumgebung \u00fcbertragen werden kann.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Interview<\/h2>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-group\"><div class=\"wp-block-group__inner-container is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow\">\n<p><strong>Vielen, vielen Dank, dass du dir f\u00fcr dieses Interview zur Verf\u00fcgung gestellt hast! K\u00f6nntest du vielleicht zun\u00e4chst kurz erkl\u00e4ren wer du bist und was du machst?<\/strong><\/p>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-media-text alignwide is-stacked-on-mobile is-vertically-aligned-top\" style=\"grid-template-columns:16% auto\"><figure class=\"wp-block-media-text__media\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/blog.tu-dresden.de\/arbeitspsychologie\/files\/2022\/08\/csm_Herder_52_FMY_8807_b6cbf39bcd.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-413 size-full\" \/><\/figure><div class=\"wp-block-media-text__content\">\n<p style=\"font-size:11px\">Ich bin Philipp Herder, 29 Jahre alt aus Berlin und ich turne seit 22 Jahren. Seit 20 Jahren wirklich leistungsm\u00e4\u00dfig und seit neun Jahren professionell.<\/p>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Was ist denn der Unterschied zwischen Leistungssport und professionellem Sport?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-media-text alignwide is-stacked-on-mobile is-vertically-aligned-top\" style=\"grid-template-columns:16% auto\"><figure class=\"wp-block-media-text__media\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/blog.tu-dresden.de\/arbeitspsychologie\/files\/2022\/08\/csm_Herder_52_FMY_8807_b6cbf39bcd.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-413 size-full\" \/><\/figure><div class=\"wp-block-media-text__content\">\n<p style=\"font-size:11px\">Professionell hei\u00dft, dass man damit Geld verdient. Leistungsm\u00e4\u00dfig, also wo es dann wirklich die Leistung im Vordergrund stand und weniger der Spa\u00df, habe ich so ca. ab der dritten Klasse geturnt. Ich war dann auch auf einer Sportschule; da war alles durchgetaktet und auf\u2019s Training ausgelegt. 07.30 Uhr bis 09.15 Uhr hatten wir immer Training, dann bis 16.00 Uhr Schule und dann ab 16:30 Uhr nochmal drei Stunden Training. Ich war immer der Erste, der morgens aus dem Haus gegangen und der Letzte, der abends zur\u00fcckgekommen ist.<\/p>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><strong>War die Schule dem Ganzen untergeordnet?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-media-text alignwide is-stacked-on-mobile is-vertically-aligned-top\" style=\"grid-template-columns:16% auto\"><figure class=\"wp-block-media-text__media\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/blog.tu-dresden.de\/arbeitspsychologie\/files\/2022\/08\/csm_Herder_52_FMY_8807_b6cbf39bcd.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-413 size-full\" \/><\/figure><div class=\"wp-block-media-text__content\">\n<p style=\"font-size:11px\">Na ja, \u2026 Eigentlich lief das parallel. Aber f\u00fcr mich pers\u00f6nlich hatte Schule da nicht den gr\u00f6\u00dften Stellenwert.<\/p>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wie standen deine Eltern zum Leistungssport?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-media-text alignwide is-stacked-on-mobile is-vertically-aligned-top\" style=\"grid-template-columns:16% auto\"><figure class=\"wp-block-media-text__media\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/blog.tu-dresden.de\/arbeitspsychologie\/files\/2022\/08\/csm_Herder_52_FMY_8807_b6cbf39bcd.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-413 size-full\" \/><\/figure><div class=\"wp-block-media-text__content\">\n<p style=\"font-size:11px\">Die haben mich zu nichts gezwungen, also ich h\u00e4tte nicht turnen m\u00fcssen, aber insgesamt waren sie schon sehr unterst\u00fctzend. Gerade mein Vater war immer superstolz und hat sich gefreut, umso l\u00e4nger und mehr ich es gemacht habe. Die waren immer super dabei, auch bei jedem Wettkampf, zu dem sie kommen konnten und auch, wenn ich sonst etwas brauchte.<\/p>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Du hast eben von deinem Schulalltag erz\u00e4hlt, wie da dein Tagesablauf war. Wie h\u00e4ufig und wie lange trainierst du aktuell?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-media-text alignwide is-stacked-on-mobile is-vertically-aligned-top\" style=\"grid-template-columns:16% auto\"><figure class=\"wp-block-media-text__media\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/blog.tu-dresden.de\/arbeitspsychologie\/files\/2022\/08\/csm_Herder_52_FMY_8807_b6cbf39bcd.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-413 size-full\" \/><\/figure><div class=\"wp-block-media-text__content\">\n<p style=\"font-size:11px\">Weniger, auf jeden Fall. Fr\u00fcher habe ich wirklich mehr gemacht. Das liegt aber auch daran, dass ich jetzt \u00e4lter bin, also k\u00f6rperlich gar nicht so viel mehr machen kann und dass ich jetzt mein eigener Chef bin. Klar, ich habe einen Trainer, aber ich entscheide jetzt viel selber, was ich jeden Tag am Ger\u00e4t mache und wenn ich sage ich bin fertig, bin ich fertig. Bin ja mittlerweile alt genug. Aktuell trainiere ich so 25 Stunden die Woche, fr\u00fcher waren es eher 30.<\/p>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Und das alles neben einem Studium, mittlerweile, richtig?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-media-text alignwide is-stacked-on-mobile is-vertically-aligned-top\" style=\"grid-template-columns:16% auto\"><figure class=\"wp-block-media-text__media\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/blog.tu-dresden.de\/arbeitspsychologie\/files\/2022\/08\/csm_Herder_52_FMY_8807_b6cbf39bcd.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-413 size-full\" \/><\/figure><div class=\"wp-block-media-text__content\">\n<p style=\"font-size:11px\">Ja genau, Physik, aber nicht Vollzeit. Das geht gar nicht, neben dem Sport. Ich mache immer so ein, zwei Module pro Semester. Letztes Semester habe ich etwas mehr gemacht, jetzt ist es wieder weniger und davor war\u2019s auch eher weniger.<\/p>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Das lag ja aber auch an einem sehr gro\u00dfen sportlichen Event, das stattgefunden hat, oder?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-media-text alignwide is-stacked-on-mobile is-vertically-aligned-top\" style=\"grid-template-columns:16% auto\"><figure class=\"wp-block-media-text__media\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/blog.tu-dresden.de\/arbeitspsychologie\/files\/2022\/08\/csm_Herder_52_FMY_8807_b6cbf39bcd.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-413 size-full\" \/><\/figure><div class=\"wp-block-media-text__content\">\n<p style=\"font-size:11px\">Ja, die Olympischen Spiele in Tokyo.<\/p>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><strong>War die Teilnahme dein bisher gr\u00f6\u00dfter sportlicher Erfolg?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-media-text alignwide is-stacked-on-mobile is-vertically-aligned-top\" style=\"grid-template-columns:16% auto\"><figure class=\"wp-block-media-text__media\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/blog.tu-dresden.de\/arbeitspsychologie\/files\/2022\/08\/csm_Herder_52_FMY_8807_b6cbf39bcd.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-413 size-full\" \/><\/figure><div class=\"wp-block-media-text__content\">\n<p style=\"font-size:11px\">Ja, definitiv. 2016 hatte es f\u00fcr Rio nicht ganz gereicht; da bin ich als Ersatzmann mitgefahren, habe aber nicht geturnt. Das war damals sehr bl\u00f6d. Die Olympischen Spiele sind eigentlich das gr\u00f6\u00dfte f\u00fcr jeden Sportler. Das Hinkommen ist fast schwieriger als letztendlich das Turnen. Deswegen ist an diesem Spruch \u201eDabeisein ist alles\u201c schon was dran.<\/p>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Und 2021 warst du dann ja dabei.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-media-text alignwide is-stacked-on-mobile is-vertically-aligned-top\" style=\"grid-template-columns:16% auto\"><figure class=\"wp-block-media-text__media\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/blog.tu-dresden.de\/arbeitspsychologie\/files\/2022\/08\/csm_Herder_52_FMY_8807_b6cbf39bcd.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-413 size-full\" \/><\/figure><div class=\"wp-block-media-text__content\">\n<p style=\"font-size:11px\">Ja. Und habe auch ganz gut geturnt, von daher bin ich super zufrieden, blicke auf eine sch\u00f6ne Karriere zur\u00fcck\u2026 Die Europameisterschaften in M\u00fcnchen sind jetzt nochmal das n\u00e4chste Ziel und dann, mal schauen, lasse ich das Ganze so ein bisschen ausklingen.<\/p>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wir f\u00fchren dieses Interview im Rahmen eines Seminars in Personalpsychologie. Das \u00dcberthema lautet \u201eExzellenz\/Expertise\u201c. Daher jetzt erstmal an dich die Frage: Woran denkst du, wenn du den Begriff Experterte\/Expertin h\u00f6rst? <\/strong><\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-media-text alignwide is-stacked-on-mobile is-vertically-aligned-top\" style=\"grid-template-columns:16% auto\"><figure class=\"wp-block-media-text__media\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/blog.tu-dresden.de\/arbeitspsychologie\/files\/2022\/08\/csm_Herder_52_FMY_8807_b6cbf39bcd.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-413 size-full\" \/><\/figure><div class=\"wp-block-media-text__content\">\n<p style=\"font-size:11px\">H\u00e4lt sich nicht jeder f\u00fcr einen Experten? Ich w\u00fcrde sagen, das ist einfach jemand, der sich extrem gut auskennt in einem gewissen Gebiet. Was man wirklich darunter versteht ist nat\u00fcrlich Ansichtssache, deshalb h\u00e4lt sich vermutliche jeder irgendwie f\u00fcr einen Experten.<\/p>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><strong>In der Psychologie definiert man Expert:innen als Individuen, die \u00fcberragende Leistungen in einer bestimmten Dom\u00e4ne vollbringen. Diese Leistungen m\u00fcssen stabil und auf F\u00e4higkeiten und Fertigkeiten des Individuums zur\u00fcckzuf\u00fchren sein. Au\u00dferdem muss man in den meisten F\u00e4llen mindestens zehn Jahre darauf hinarbeiten, in einem bestimmten Bereich Experte\/Expertin zu werden. Nun gibt es in der Psychologie die Deliberate-Practice-versus-Innate-Talent-Debatte. Innate Talent bezieht sich hier auf angeborene F\u00e4higkeiten, die sich bereits im fr\u00fchen Kindheitsalter zeigen, w\u00e4hrend Deliberate Practice das forcierte, intensive \u00dcben von Dingen beschreibt, die man noch nicht kann. Wie w\u00fcrdest du auf diese Frage im Kontext Turnen eingehen? Ist dort Deliberate Practice oder Innate Talent wichtiger f\u00fcr die Expertisebildung? <\/strong><\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-media-text alignwide is-stacked-on-mobile is-vertically-aligned-top\" style=\"grid-template-columns:16% auto\"><figure class=\"wp-block-media-text__media\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/blog.tu-dresden.de\/arbeitspsychologie\/files\/2022\/08\/csm_Herder_52_FMY_8807_b6cbf39bcd.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-413 size-full\" \/><\/figure><div class=\"wp-block-media-text__content\">\n<p style=\"font-size:11px\">Ich glaube, gerade im Junior:innenbereich geht es eher um Innate Talent. Je \u00e4lter man aber wird, desto wichtiger werden Flei\u00df und Durchhalteverm\u00f6gen. Ich kenne so viele, die im j\u00fcngeren Bereich, vielleicht bis sie 18 waren, so talentiert und erfolgreich waren und dann nach Verletzungen oder Motivationsproblemen aufgeh\u00f6rt oder den Faden verloren haben. Und am Ende sind dann die oben angekommen, die egal was kam durchgezogen und weitergemacht und sich nicht aufgegeben haben. Im Olympiateam von Tokyo damals sind keine besonderen Bewegungstalente, bis vielleicht auf Lukas Dauser. Wir haben alles \u00fcber viel Training erreicht.<\/p>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wie oft w\u00fcrdest du sagen, dass du in deinem Trainingsalltag wirklich Deliberate Practice und nicht \u201enormales \u00dcben\u201c anwendest?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-media-text alignwide is-stacked-on-mobile is-vertically-aligned-top\" style=\"grid-template-columns:16% auto\"><figure class=\"wp-block-media-text__media\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/blog.tu-dresden.de\/arbeitspsychologie\/files\/2022\/08\/csm_Herder_52_FMY_8807_b6cbf39bcd.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-413 size-full\" \/><\/figure><div class=\"wp-block-media-text__content\">\n<p style=\"font-size:11px\">Jaaa\u2026 Nicht so oft. (<em>lacht<\/em>) Man such sich schon oft \u201eAlibi-\u00dcbungen\u201c, wenn man mal nicht so viel Lust hat, um nicht nichts zu tun, aber sich jetzt auch nicht zu sehr anstrengen zu m\u00fcssen. Aber nat\u00fcrlich muss man sich insgesamt immer auf die Sachen fokussieren, die man verbessern und sicher k\u00f6nnen will. In der Olympiavorbereitung und bei der Vorbereitung auf die WM 2019 hatte ich immer Angst vor einer bestimmten Kombination am Pauschenpferd, weil ich immer dachte: \u201eOje, der Bundestrainer guckt zu; der bringt bestimmt einen Spruch, wenn ich jetzt absteige, dann denkt der bestimmt, dass ich das nicht kann\u201c und habe mir dann irgendwann gesagt: \u201eOkay, schei\u00df drauf! Daf\u00fcr ist Training doch gerade da. Ist doch egal, was er denkt. Mach es einfach und dadurch wirst du besser, egal ob du f\u00e4llst oder nicht.\u201c Und dann wurde die \u00dcbung wirklich total stabil, also als ich mich wirklich mal genau auf die Sachen fokussiert habe, die ich nicht konnte oder vor denen ich mich gescheut habe.<\/p>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Du bist f\u00fcr uns ein Experte in deinem Gebiet. Du hast unseres Erachtens nach Exzellenz erreicht. Stell dir nun bitte vor, dass wir ein Unternehmen f\u00fchren und als Chef:innen gerne ein Umfeld schaffen wollen, das es unseren Mitarbeiter:innen m\u00f6glich macht, ebenfalls Expertinnen und Experten zu werden und Exzellenz zu erreichen. Was waren Dinge, die dir auf deinem Weg zur Expertise geholfen haben? <\/strong><\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-media-text alignwide is-stacked-on-mobile is-vertically-aligned-top\" style=\"grid-template-columns:16% auto\"><figure class=\"wp-block-media-text__media\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/blog.tu-dresden.de\/arbeitspsychologie\/files\/2022\/08\/csm_Herder_52_FMY_8807_b6cbf39bcd.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-413 size-full\" \/><\/figure><div class=\"wp-block-media-text__content\">\n<p style=\"font-size:11px\">Was mich motiviert hat waren kleine Erfolge. Du kannst nicht aus jedem einen Weltmeister machen, aber du kannst aus jedem das Beste herausholen. Gro\u00dfe Ziele wie eine Olympiateilnahme k\u00f6nnen die Richtung weisen, aber die kleinen Ziele, wie zum Beispiel ein besonders gutes Training oder ein neues Element, was zum ersten Mal klappt, eine Qualifikation f\u00fcr das WM-Team, sind die Dinge, auf die man sich so im Alltag fokussieren sollte, die mich die ganze Zeit \u00fcber am Ball gehalten haben.<\/p>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Was f\u00fcr eine Rolle hat Feedback f\u00fcr dich gespielt?<\/strong> <\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-media-text alignwide is-stacked-on-mobile is-vertically-aligned-top\" style=\"grid-template-columns:16% auto\"><figure class=\"wp-block-media-text__media\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/blog.tu-dresden.de\/arbeitspsychologie\/files\/2022\/08\/csm_Herder_52_FMY_8807_b6cbf39bcd.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-413 size-full\" \/><\/figure><div class=\"wp-block-media-text__content\">\n<p style=\"font-size:11px\">Das war auch sehr, sehr wichtig. Ich hatte verschiedene Trainer in meiner Zeit. Viele waren gut und ich hatte ein paar, die waren weniger gut. Das Feedback kann viele Dinge beeinflussen. Ich hatte einen Trainer, der hat ein wirklich gutes Training mit zwei drei S\u00e4tzen einfach umgekehrt, sodass du am Ende mit einem schlechten Gef\u00fchl aus der Halle gekommen bist und dir dachtest: \u201eOkay, wof\u00fcr mache ich den Schei\u00df \u00fcberhaupt noch?\u201c Ich hatte aber auch einen Trainer, der hat es geschafft, wenn ich total demotiviert war und eigentlich nachhause gehen wollte, mich mit zehn Minuten Gespr\u00e4ch wieder so aufzubauen, dass ich wieder ans Ger\u00e4t gegangen bin und weitergemacht habe. Feedback ist definitiv wichtig, gerade wie es gegeben wird.<\/p>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Eine abschlie\u00dfende Frage noch: Wir haben gesagt, in der Berufswelt ist Exzellenz wichtig. Man will immer Expertinnen, Fachleute, exzellente Leute im eigenen Unternehmen haben. Auf was sollte man als Personaler*in noch achten, wenn man einen Menschen einstellt, au\u00dfer auf das Ausma\u00df an Expertise, \u00fcber das der Mensch schon verf\u00fcgt?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-media-text alignwide is-stacked-on-mobile is-vertically-aligned-top\" style=\"grid-template-columns:16% auto\"><figure class=\"wp-block-media-text__media\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/blog.tu-dresden.de\/arbeitspsychologie\/files\/2022\/08\/csm_Herder_52_FMY_8807_b6cbf39bcd.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-413 size-full\" \/><\/figure><div class=\"wp-block-media-text__content\">\n<p style=\"font-size:11px\">Durchhalteverm\u00f6gen und Hartn\u00e4ckigkeit. Ich kenne viele, die waren so viel besser als ich, im Studium wie im Turnen, die sich von verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig kleinen R\u00fcckschl\u00e4gen haben entmutigen lassen. Das ist in Unternehmen auch nicht anders. Man wird nicht sofort ganz oben sein. Es braucht alles seine Zeit und man muss einfach zielstrebig den eigenen Weg gehen. Zum Erfolg gibt es keine Abk\u00fcrzung.<\/p>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Vielen, vielen Dank f\u00fcr das Interview und viel Erfolg f\u00fcr die kommenden Deutschen Meisterschaften! Wir gucken \u00fcbrigens zu.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-media-text alignwide is-stacked-on-mobile is-vertically-aligned-top\" style=\"grid-template-columns:16% auto\"><figure class=\"wp-block-media-text__media\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/blog.tu-dresden.de\/arbeitspsychologie\/files\/2022\/08\/csm_Herder_52_FMY_8807_b6cbf39bcd.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-413 size-full\" \/><\/figure><div class=\"wp-block-media-text__content\">\n<p style=\"font-size:11px\">Danke! Ich hoffe, dass ich nicht verturne und ihr euch dann denkt \u201eOje, das war wohl doch kein Experte.\u201c<\/p>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Zusammenfassung<\/h2>\n\n\n\n<p>Nach der Definition von Ericsson &amp; Simon (1991) sind Expert:innen Individuen, welche \u00fcberragende Leistungen in einer bestimmten Dom\u00e4ne vollbringen. Dass Philipps<strong> Leistungen im Turnen die von Noviz:innen \u00fcbersteigen <\/strong>ist offensichtlich. Die Teilnahme an Wettk\u00e4mpfen und die gewonnenen Titel liefern einerseits Belege f\u00fcr <strong>konkrete Ergebnisse<\/strong> dieser Expertise und eignen sich andererseits hervorragend, um sie zu <strong>messen und zu replizieren<\/strong>. Damit erf\u00fcllt Philipp ganz klar die Kriterien eines Experten. Und das Interview mit ihm eignet sich f\u00fcr die Frage: Ist er einfach der geborene Turner oder hat er sich das alles hart erarbeitet? Die Antwort liegt auf der Hand: Es stimmt sicherlich beides zum Teil. Philipp selbst hat angemerkt, dass es besonders im Junior:innenbereich eher um Innate Talent gehe und mit steigendem Alter Flei\u00df und Durchhalteverm\u00f6gen immer wichtiger werden. So k\u00f6nnen wir auch f\u00fcr ihn annehmen, dass einerseits k\u00f6rperliche Voraussetzungen wie zum Beispiel eine geringere K\u00f6rpergr\u00f6\u00dfe, eine genetische Disposition f\u00fcr Schnellkraft sowie Dehn- und Gelenkf\u00e4higkeit das Potenzial hervorragender Turnleistungen beg\u00fcnstigt haben. Diese Voraussetzungen k\u00f6nnten dazu beigetragen haben, dass Philipp, als er mit diesem Sport angefangen hat, recht schnell Erfolge vorweisen konnte, die ihn wiederum motiviert haben, dabei zu bleiben. <\/p>\n\n\n\n<p>Andererseits gibt Philipp an, viele zu kennen, die im j\u00fcngeren Bereich besonders talentiert und erfolgreich gewesen seien, sich im Gegensatz zu ihm aber durch R\u00fcckschl\u00e4ge davon abhalten lassen haben, es bis in den Profisport geschaftt zu haben. Er selbst sagt: \u201eWir haben alles \u00fcber viel Training erreicht\u201c. Damit bef\u00fcrwortet er die Annahme, dass es auch im sportlichen Bereich neben Innate Talent besonders die ausdauernde \u00dcbung ist, die Expertise beg\u00fcnstigt. Zwar gibt er an, dass er nicht so h\u00e4ufig \u201eDeliberate Practice\u201c im engeren Sinne (das bewusste \u00dcben von Aspekten, die ihm schwerfallen) umsetze. Jedoch berichtet er auch, dass er sich bem\u00fche, sich immer auf die Aspekte zu fokussieren, die er verbessern und sicher k\u00f6nnen wolle, und dass er diesem Ansatz seine Fortschritte zu verdanken habe. Vor dem Hintergrund, dass au\u00dferhalb des sportlichen Kontextes k\u00f6rperliche Vorrausetzungen eine viel geringere Rolle spielen, leuchtet ein, dass dort der Einfluss von Deliberate Practice deutlich \u00fcberwiegt. Diese wiederum l\u00e4sst sich f\u00f6rdern. Passend zu unseren Annahmen best\u00e4tigt Philipp, dass dabei ermutigendes \u2013 vermutlich gleichzeitig realistisches \u2013 Feedback wichtig ist. Zudem bieten besonders \u201ekleine\u201c Ziele einerseits die M\u00f6glichkeit f\u00fcr motivierende Erfolge, und andererseits eine Grundlage, um die eigenen Leistungen zu referenzieren und den Trainingsfokus auf ausbauf\u00e4hige Aspekte zu legen. \u00dcbertr\u00e4gt man Exzellenz- und Expertisebildung im Leistungssport auf die Berufswelt, k\u00f6nnen wir als Personalpsycholog:innen mitnehmen, dass Dispositionen f\u00fcr bestimmtes Innate Talent bei der Personalauswahl selbstverst\u00e4ndlich eine Rolle spielen, Deliberate Practice aber der ausschlaggebende Faktor daf\u00fcr ist, ob sich letzten Endes wirklich Expertise entwickelt. Es gilt nun also einerseits, Individuen zu besch\u00e4ftigen, die pers\u00f6nliche Fertigkeiten und Eigenschaften mit sich bringen, die sie zur Deliberate Practice bef\u00e4higen (z.B. hohe Eigenmotivation, gut ausgepr\u00e4gte Coping Strategien), andererseits aber auch die Gestaltung einer f\u00f6rderlichen Umgebung, damit jene positiven Eigenschaften der Angestellten gef\u00f6rdert werden. Besonders zu betonen ist nach dem Interview mit Philipp die Relevanz qualitativ hochwertigen Feedbacks, sowie das Setzen angemessener, taktisch kluger Ziele.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-group\"><div class=\"wp-block-group__inner-container is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow\">\n<figure class=\"wp-block-gallery has-nested-images columns-default is-cropped wp-block-gallery-1 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"2560\" height=\"1707\" data-id=\"441\" src=\"http:\/\/blog.tu-dresden.de\/arbeitspsychologie\/files\/2022\/08\/markus-winkler-LNzuOK1GxRU-unsplash-scaled.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-441\" srcset=\"https:\/\/blog.tu-dresden.de\/arbeitspsychologie\/files\/2022\/08\/markus-winkler-LNzuOK1GxRU-unsplash-scaled.jpg 2560w, https:\/\/blog.tu-dresden.de\/arbeitspsychologie\/files\/2022\/08\/markus-winkler-LNzuOK1GxRU-unsplash-300x200.jpg 300w, https:\/\/blog.tu-dresden.de\/arbeitspsychologie\/files\/2022\/08\/markus-winkler-LNzuOK1GxRU-unsplash-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/blog.tu-dresden.de\/arbeitspsychologie\/files\/2022\/08\/markus-winkler-LNzuOK1GxRU-unsplash-768x512.jpg 768w, https:\/\/blog.tu-dresden.de\/arbeitspsychologie\/files\/2022\/08\/markus-winkler-LNzuOK1GxRU-unsplash-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/blog.tu-dresden.de\/arbeitspsychologie\/files\/2022\/08\/markus-winkler-LNzuOK1GxRU-unsplash-2048x1365.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 2560px) 100vw, 2560px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1920\" height=\"1440\" data-id=\"303\" src=\"http:\/\/blog.tu-dresden.de\/arbeitspsychologie\/files\/2022\/07\/kvalifik-5Q07sS54D0Q-unsplash.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-303\" srcset=\"https:\/\/blog.tu-dresden.de\/arbeitspsychologie\/files\/2022\/07\/kvalifik-5Q07sS54D0Q-unsplash.jpg 1920w, https:\/\/blog.tu-dresden.de\/arbeitspsychologie\/files\/2022\/07\/kvalifik-5Q07sS54D0Q-unsplash-300x225.jpg 300w, https:\/\/blog.tu-dresden.de\/arbeitspsychologie\/files\/2022\/07\/kvalifik-5Q07sS54D0Q-unsplash-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/blog.tu-dresden.de\/arbeitspsychologie\/files\/2022\/07\/kvalifik-5Q07sS54D0Q-unsplash-768x576.jpg 768w, https:\/\/blog.tu-dresden.de\/arbeitspsychologie\/files\/2022\/07\/kvalifik-5Q07sS54D0Q-unsplash-1536x1152.jpg 1536w\" sizes=\"auto, (max-width: 1920px) 100vw, 1920px\" \/><\/figure>\n<\/figure>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\" \/>\n\n\n\n<p>Elbe, A. M., Wenhold, F., &amp; M\u00fcller, D. (2005). Zur Reliabilit\u00e4t und Validit\u00e4t der Achievement Motives Scale-Sport. <em>Zeitschrift f\u00fcr Sportpsychologie<\/em>, 12(2), 57-68.<\/p>\n\n\n\n<p>Ericsson, K. A. (2003). Development of elite performance and deliberate practice: An update from the perspective of the expert performance approach. <em>Expert performance in sports: Advances in research on sport expertise<\/em>, 49-84.<\/p>\n\n\n\n<p>Ericsson, K. A., &amp; Smith, J. (Eds.). (1991). <em>Toward a general theory of expertise: Prospects and limits. <\/em>Cambridge University Press. <\/p>\n\n\n\n<p>Ericsson, K. A., Krampe, R. T., &amp; Tesch-R\u00f6mer, C. (1993). The role of deliberate practice in the acquisition of expert performance. <em>Psychological review<\/em>, 100(3), 363. <\/p>\n\n\n\n<p>Ericsson, K. A., Nandagopal, K., &amp; Roring, R. W. (2005). Giftedness viewed from the expert-performance perspective. <em>Journal for the Education of the Gifted<\/em>, 28(3-4), 287-311. <\/p>\n\n\n\n<p>Ericsson, K. A., Prietula, M. J., &amp; Cokely, E. T. (2007). The making of an expert. <em>Harvard business review<\/em>, 85(7\/8), 114. <\/p>\n\n\n\n<p>Galton, F. (1865). Hereditary talent and character. <em>Macmillan&#8217;s magazine<\/em>, <em>12<\/em>(157-166), 318-327.<\/p>\n\n\n\n<p>MacArthur, D. G., &amp; North, K. N. (2007). Genes and human elite athletic performance. <em>East African Running<\/em>, 241-257. <\/p>\n\n\n\n<p>Szymanski, B., Beckmann, J., Elbe, A. M., &amp; M\u00fcller, D. (2004). Wie entwickelt sich die Volition bei Talenten einer Eliteschule des Sports?. <em>Zeitschrift f\u00fcr Sportpsychologie<\/em>, 11(3), 103-111.<\/p>\n\n\n\n<p>Winner, E. (2000). Giftedness: Current Theory and Research. <em>Current Directions in Psychological Science<\/em>, 9(5), 153\u2013156. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Joschiko-Emily Eckstein, Martina Dulik und Pauline Voigt&nbsp;&nbsp;(2. Semester Master Psychologie \u2013 Human Performance in Sociotechnical Systems, Technische Universit\u00e4t Dresden) Was hat ein Olympiasportler mit Personalpsychologie zu tun? Zweifelsohne bewegt er sich in einem Feld, welches einige gro\u00dfe Forschungsfragen der Personalpsychologie umfasst: Exzellenz und Expertise. 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