{"id":362,"date":"2018-06-17T22:05:51","date_gmt":"2018-06-17T20:05:51","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.tu-dresden.de\/kunstdidaktik-tud\/?p=362"},"modified":"2019-11-04T13:03:17","modified_gmt":"2019-11-04T11:03:17","slug":"zwischenmenschliche-begegnungen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.tu-dresden.de\/kunstdidaktik-tud\/2018\/06\/17\/zwischenmenschliche-begegnungen\/","title":{"rendered":"ZWISCHENMENSCHLICHE BEGEGNUNGEN"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<div id='gallery-1' class='gallery galleryid-362 gallery-columns-3 gallery-size-thumbnail'><figure class='gallery-item'>\n\t\t\t<div class='gallery-icon landscape'>\n\t\t\t\t<a href='https:\/\/blog.tu-dresden.de\/kunstdidaktik-tud\/2018\/06\/17\/zwischenmenschliche-begegnungen\/blicke-finden\/'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"150\" height=\"150\" src=\"https:\/\/blog.tu-dresden.de\/kunstdidaktik-tud\/files\/2018\/06\/blicke-finden-150x150.jpg\" class=\"attachment-thumbnail size-thumbnail\" alt=\"\" \/><\/a>\n\t\t\t<\/div><\/figure><figure class='gallery-item'>\n\t\t\t<div class='gallery-icon landscape'>\n\t\t\t\t<a href='https:\/\/blog.tu-dresden.de\/kunstdidaktik-tud\/2018\/06\/17\/zwischenmenschliche-begegnungen\/2-sitzpartner_in\/'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"150\" height=\"150\" src=\"https:\/\/blog.tu-dresden.de\/kunstdidaktik-tud\/files\/2018\/06\/2.-Sitzpartner_in-150x150.png\" class=\"attachment-thumbnail size-thumbnail\" alt=\"\" \/><\/a>\n\t\t\t<\/div><\/figure><figure class='gallery-item'>\n\t\t\t<div class='gallery-icon portrait'>\n\t\t\t\t<a href='https:\/\/blog.tu-dresden.de\/kunstdidaktik-tud\/2018\/06\/17\/zwischenmenschliche-begegnungen\/3-herzschlag\/'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"150\" height=\"150\" src=\"https:\/\/blog.tu-dresden.de\/kunstdidaktik-tud\/files\/2018\/06\/3.-Herzschlag-150x150.png\" class=\"attachment-thumbnail size-thumbnail\" alt=\"\" \/><\/a>\n\t\t\t<\/div><\/figure><figure class='gallery-item'>\n\t\t\t<div class='gallery-icon landscape'>\n\t\t\t\t<a href='https:\/\/blog.tu-dresden.de\/kunstdidaktik-tud\/2018\/06\/17\/zwischenmenschliche-begegnungen\/4-embrace\/'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"150\" height=\"150\" src=\"https:\/\/blog.tu-dresden.de\/kunstdidaktik-tud\/files\/2018\/06\/4.-Embrace-150x150.png\" class=\"attachment-thumbnail size-thumbnail\" alt=\"\" \/><\/a>\n\t\t\t<\/div><\/figure><figure class='gallery-item'>\n\t\t\t<div class='gallery-icon landscape'>\n\t\t\t\t<a href='https:\/\/blog.tu-dresden.de\/kunstdidaktik-tud\/2018\/06\/17\/zwischenmenschliche-begegnungen\/5-reflexion\/'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"150\" height=\"150\" src=\"https:\/\/blog.tu-dresden.de\/kunstdidaktik-tud\/files\/2018\/06\/5.-Reflexion-150x150.png\" class=\"attachment-thumbnail size-thumbnail\" alt=\"\" \/><\/a>\n\t\t\t<\/div><\/figure><figure class='gallery-item'>\n\t\t\t<div class='gallery-icon landscape'>\n\t\t\t\t<a href='https:\/\/blog.tu-dresden.de\/kunstdidaktik-tud\/2018\/06\/17\/zwischenmenschliche-begegnungen\/6-blickentfernung\/'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"150\" height=\"150\" src=\"https:\/\/blog.tu-dresden.de\/kunstdidaktik-tud\/files\/2018\/06\/6.-Blickentfernung--150x150.png\" class=\"attachment-thumbnail size-thumbnail\" alt=\"\" \/><\/a>\n\t\t\t<\/div><\/figure><figure class='gallery-item'>\n\t\t\t<div class='gallery-icon landscape'>\n\t\t\t\t<a href='https:\/\/blog.tu-dresden.de\/kunstdidaktik-tud\/2018\/06\/17\/zwischenmenschliche-begegnungen\/7-blickentfernung-ii\/'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"150\" height=\"150\" src=\"https:\/\/blog.tu-dresden.de\/kunstdidaktik-tud\/files\/2018\/06\/7.-Blickentfernung-II-150x150.png\" class=\"attachment-thumbnail size-thumbnail\" alt=\"\" \/><\/a>\n\t\t\t<\/div><\/figure><figure class='gallery-item'>\n\t\t\t<div class='gallery-icon landscape'>\n\t\t\t\t<a href='https:\/\/blog.tu-dresden.de\/kunstdidaktik-tud\/2018\/06\/17\/zwischenmenschliche-begegnungen\/8-sitzpartner_in\/'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"150\" height=\"150\" src=\"https:\/\/blog.tu-dresden.de\/kunstdidaktik-tud\/files\/2018\/06\/8.-Sitzpartner_in-150x150.png\" class=\"attachment-thumbnail size-thumbnail\" alt=\"\" \/><\/a>\n\t\t\t<\/div><\/figure><figure class='gallery-item'>\n\t\t\t<div class='gallery-icon landscape'>\n\t\t\t\t<a href='https:\/\/blog.tu-dresden.de\/kunstdidaktik-tud\/2018\/06\/17\/zwischenmenschliche-begegnungen\/9-umarmungen\/'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"150\" height=\"150\" src=\"https:\/\/blog.tu-dresden.de\/kunstdidaktik-tud\/files\/2018\/06\/9.-Umarmungen-150x150.png\" class=\"attachment-thumbnail size-thumbnail\" alt=\"\" \/><\/a>\n\t\t\t<\/div><\/figure>\n\t\t<\/div>\n\n<p>EINE VERMITTLUNGSSITUATION VON JONAS TROPARTZ, KATHARINA RUBLEV &amp; VANESSA KARNETT<\/p>\n<p>TEXT: JONAS TROPARTZ<\/p>\n<hr \/>\n<ol>\n<li><strong>Verortung\u00a0[come together]<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p>Die Performance, eine Kunstgattung entstanden im 20. Jahrhundert, er\u00f6ffnet durch die freien und vitalen innewohnenden Ausdrucksformen eine Bandbreite an Vermittlungsm\u00f6glichkeiten. Auf dem schmalen Pfad zwischen Kunst und Leben ist die performative Handlung die Achtsamkeit auf den Vollzug der eigenen Handlungen und die Wahrnehmung derer in Bezug auf sich selbst und alle anderen. (Peters 2005, S. 8)<\/p>\n<p>Passend dazu beschreibt David George die F\u00e4higkeit von Performance als \u201eneue Art der Betrachtung bekannter Ph\u00e4nomene \u2013 eine andere Weise, auf sie zu reagieren, sie zu erfahren und \u00fcber sie nachzudenken.\u201c (George 1998, S.16) Dies bedeutet, bekannte Alltagsph\u00e4nomene neu in den Fokus zu r\u00fccken und das Spannungsgef\u00e4lle zwischen Sichtbarem und Unsichtbarem zu untersuchen. Dabei hat man kein klares Ziel vor Augen, sondern gestaltet den Weg und Prozess als solches fruchtbar, sodass diese als Erkenntnisgewinn ausreichen k\u00f6nnen. Der K\u00f6rper als anf\u00e4ngliche nutzbare Quelle sollte dabei nicht au\u00dfer Acht gelassen werden.<!--more--><\/p>\n<p>Die sich daraus entwickelnden Potenziale f\u00fcr die Institution Schule werden von Engel und B\u00f6hme beschrieben als: \u201e[&#8230;] das Offene und Unbestimmte [&#8230;] ein Grundmoment intersubjektiver Praxis in p\u00e4dagogischen, didaktischen und k\u00fcnstlerischen Prozessen.\u201c (Engel &amp; B\u00f6hme 2014, S.7) Keine Angst zu haben vor Unbekannten, soll die Lernenden motivieren, Neugier zu entwickeln und aus dem offenen Format neue Einblicke zu gewinnen. Dies geschieht stets mit dem Blick auf performative Handlungen.<\/p>\n<p>Der Raum, in dem wir uns dabei stetig aufhalten, wird von Marie-Luise Lange beschrieben als \u201edas Ergebnis von Aktivit\u00e4ten, durch die er Ausbreitungsrichtungen bekommt und die ihn verzeitlichen.\u201c (Lange 2013, S. 4) Dieser Raum wird beschrieben als instabil, ver\u00e4nderbar, abstrakt und unspezifisch. F\u00fcr die Arbeit mit Lernenden steckt in dieser Ungewissheit ein gro\u00dfes Potenzial, n\u00e4mlich Handlungen ihren eigenen freien Entwicklungs- und Entstehungsraum einzur\u00e4umen.<\/p>\n<p>In der Vermittlungssituation nutzen wir das Potenzial der Performancekunst, um andere Dimensionen von Kunst und Kultur in den Blick der Betrachtung und des kulturellen Verst\u00e4ndnisses zu r\u00fccken. In der Auseinandersetzung wird sich auf zwischenmenschliche Begegnungen beschr\u00e4nkt. Die Teilnehmer_innen werden dazu aufgefordert, sich der Angst bzw. Scham vor Intimit\u00e4t zu stellen, diese zu reflektieren und im besten Fall sogar abzulegen. Wir gehen dabei davon aus, dass Scham mit \u201eReflexivit\u00e4t zu tun hat, mit der F\u00e4higkeit, sich selbst als moralisches Subjekt wahrzunehmen.\u201c (Greiner 2014, S.24) Das Ziel ist es, die Selbstreflexion der Teilnehmenden anzuregen und die Betrachtung zwischenmenschlicher Begegnungen zu fokussieren. Die Lernenden werden dazu angeregt, \u00fcber Erfahrungen und Handlungen des Alltags nachzudenken und \u00fcber eigene Erlebnisse mit den anderen in Austausch zu kommen. Anschlie\u00dfend soll es gelingen, die Scham vor Intimit\u00e4t abzulegen und Prozesse auf diesem Weg gemeinsam zu hinterfragen. <strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Die geplante Vermittlungssituation ist in die Bl\u00f6cke \u201eAugenblicke\u201c und \u201eKontaktaufnahme\u201c gegliedert.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>2.\u00a0Intention [stay together]<\/strong><\/p>\n<p>Der dreist\u00fcndigen Vermittlungssituation liegen folgende Zielstellungen zugrunde:<\/p>\n<p>\/1\/ Die Studierenden werden in die Thematik \u201ePerformance\u201c eingef\u00fchrt.<\/p>\n<p>\/2\/ Die Studierenden handeln in Gruppenarbeit forschend und experimentell, indem sie sich den Grenzen und M\u00f6glichkeiten ihres eigenen K\u00f6rpers ann\u00e4hern.<\/p>\n<p>\/3\/ Der Blick der Studierenden wird auf zwischenmenschliche Begegnungen sensibilisiert.<\/p>\n<p>\/4\/ Die Studierenden legen ihre Angst vor Intimit\u00e4t ab.<\/p>\n<p>\/5\/ Die Studierenden erkennen die Vermittlungssituation als eine f\u00fcr den Kunstunterricht sinnstiftende Ideenquelle.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>3. Konzept\u00a0<span style=\"font-family: 'Century Gothic',sans-serif;color: windowtext\">[play together]<\/span><\/strong><\/p>\n<p><strong>\/\/ Augenblicke<\/strong><\/p>\n<p>Im ersten Block der Vermittlunssituation befinden sich die Teilnehmenden ausschlie\u00dflich in zwei R\u00e4umen. Im ersten Raum darf nur nonverbal kommuniziert werden. Die Studierenden durchlaufen vier Aufgabentypen, welche stets in Partnerarbeit vollzogen werden m\u00fcssen. Im Vorfeld wurde der Raum durch wei\u00dfe Stoffbahnen in zwei H\u00e4lften geteilt.\u00a0Die vier folgenden Aufgaben dienen den Teilnehmenden als Einstieg in die Thematik \u201ePerformance\u201c. Mit Hilfe der festgelegten Reihenfolge durchlaufen die Studierenden einen Prozess der Steigerung und n\u00e4hern sich schrittweise der Betrachtung von Intimit\u00e4t auf der Grundlage performativer Handlungen. Die nonverbale Kommunikation hilft dabei, die Konzentration zu steigern und schafft eine sowohl angenehme als auch produktive Arbeitsatmosph\u00e4re. In Form von Skizzen halten die Studierenden ihre Gedanken und Gef\u00fchle fest. Diese sollen gleichzeitig der\u00a0 Ergebnissicherung dienen.<\/p>\n<p><strong>\/\/ Blickkontakt<\/strong><\/p>\n<p>In der ersten Aufgabe werden die jeweiligen Partner_innen dazu aufgefordert, f\u00fcnf Minuten lang Augenkontakt zu halten. Dabei stehen sie sich gegen\u00fcber und sollen sich nicht bewegen. Der blo\u00dfe Blickkontakt dient als harmloses N\u00e4herkommen. Die Studierenden sollen nicht \u00fcberfordert werden und sich somit schrittweise an die Aufgabenformate gew\u00f6hnen. Der Beginn und das Ende erfolgt durch ein akustisches Signal seitens der Vermittelnden, was im weiteren Verlauf beibehalten wird. Es erfolgt bewusst kein Eingreifen durch aktives Handeln bzw. sprachliche \u00c4u\u00dferung der Vermittelnden, um die Konzentration der Lernenden nicht zu st\u00f6ren. Anschlie\u00dfend h\u00e4lt jeder seine Eindr\u00fccke in Form einer Skizze auf der neben ihnen liegenden Folie fest. Diese Aufgabe wird in der linken Raumh\u00e4lfte durchgef\u00fchrt. Die Verschriftlichung dient den Studierenden als schnelle Form der Gedankenskizze und soll Erfahrungen festhalten. Au\u00dferdem dienen die Folien w\u00e4hrend der Auswertung als gute Reaktivierungsgrundlagen von zuvor empfundenen Impulsen.<\/p>\n<p><strong>\/\/ Sitzpartner_in<\/strong><\/p>\n<p>Nachdem alle Teilnehmenden die Skizze beendet haben, begeben sie sich in die rechte Raumh\u00e4lfte, in der die n\u00e4chsten beiden Aufgaben stattfinden. Der Wechsel der Raumh\u00e4lften hilft den Studierenden die einzelnen Aufgabenformate zu differenzieren. Sie k\u00f6nnen sich neu auf das Setting einlassen und arbeiten kontinuierlich ohne gro\u00dfe Pausen. Zun\u00e4chst nehmen die Teilnehmenden Platz und erhalten die Aufgabe, f\u00fcr f\u00fcnf Minuten Augenkontakt zu halten. Auch w\u00e4hrend dieser \u00dcbung soll der Blickkontakt beibehalten werden, um die Intimit\u00e4t zu steigern. Jedoch befindet sich zwischen den beiden Personen ein Tisch. Die Entfernung ist also vorbestimmt und der Fokus beider beschr\u00e4nkt sich ausschlie\u00dflich auf den Blick. Au\u00dferdem ist die Haltung durch das Sitzen auf St\u00fchlen entspannter und soll zum Wohlf\u00fchlen beitragen.<\/p>\n<p><strong>\/\/ Herzschlag<\/strong><\/p>\n<p>Die dritte Aufgabe absolvieren die Teilnehmenden in der gleichen Position wie zuvor. Somit sind diese an das Setting gew\u00f6hnt und brauchen sich nicht auf neue Begebenheiten einlassen. Der vorgegebene Raum soll also zum Entspannen beitragen. Nun sollen die Studierenden neben f\u00fcnf min\u00fctigem Blickkontakt den Herzschlag des\/der anderen messen. Die Pulsmessung erfolgt am Handgelenk der gegen\u00fcbersitzenden Person. Mit der Pulsmessung findet das erste Mal K\u00f6rperkontakt statt und er\u00f6ffnet einen neue Ebene der zwischenmenschlichen Begegnung. Die Distanz aller Teilnehmenden soll abgebaut werden, indem der Herzschlag mit den Fingern gemessen wird.<\/p>\n<p><strong>\/\/ Embrace<\/strong><\/p>\n<p>Vor der letzten Aufgabe erfolgt der Wechsel in die linke Raumh\u00e4lfte, in welcher sich die Aufgabenbl\u00e4tter befinden, nach denen sich alle im Raum positionieren. In der letzten Phase umarmen alle Studierenden ihren\/ihre Partner_in f\u00fcnf Minuten lang. Die Umarmung stellt den H\u00f6hepunkt aller durchgef\u00fchrten zwischenmenschlichen Begegnungen dar, da sich beide K\u00f6rper sehr nahe kommen. Bewusst wurde diese als letzte \u00dcbung gew\u00e4hlt, denn es fand eine stetige Steigerung statt, um die Angst vor Intimit\u00e4t abzulegen.<\/p>\n<p><strong>\/\/ Reflexion<\/strong><\/p>\n<p>Die Studierenden betreten nach Beendigung der vier \u00dcbungen einen zweiten Raum, in welchem sie sich dem assoziativen Schreiben zuwenden. Dabei werden erlebte Erfahrungen in einem Schreibfluss festgehalten und anschlie\u00dfend in Form einer Blitzlichtrunde ausschnittweise vorgetragen. Gleichzeitig wirft ein Diaprojektor, welcher als einzige Lichtquelle dient, die erstellten Skizzen an die Wand.<\/p>\n<p>Der erste Block endet mit dem Austausch in Form einer Gruppendiskussion. Die Vermittelnden stellen den Teilnehmenden dabei Impulsfragen. Diese beziehen sich auf Erfahrungen und deren Reflexion. Im Fokus bleibt dabei stets die zwischenmenschliche Erfahrung. Es wird darauf eingegangen, welche Grenzen \u00fcberschritten, welche Form von Intimit\u00e4t erfahrbar wurde und welchen Zusammenhang die Erlebnisse mit den erstellten Skizzen darstellen. So erkennen die Lernenden, welche Besonderheiten bei zwischenmenschlichen Begegnungen auftreten und wie unterschiedlich die Wahrnehmung dieser sein kann. Nicht zu vergessen ist dabei, den Fokus auf Potenziale solcher \u00dcbungen f\u00fcr den schulischen Kontext zu lenken, da die Anwendbarkeit unserer konzipierten VS in Schulen sichtbar gemacht werden soll.<\/p>\n<p><strong>\/\/ Ergebnisse<\/strong><\/p>\n<p>Im Austausch mit den Studierenden ist festzustellen, wie differenziert die individuellen Erkenntnisse dieser sind. Einzelne Teilnehmende beschreiben die performativen \u00dcbungen als \u201emeditativen Zustand\u201c. Hier gehen sie \u00fcber die eigene Selbstwahrnehmung hinaus und stellen gedanklich Fragen an ihre Gegen\u00fcber. Dazu geh\u00f6ren spannende Fragen wie: \u201eWas glaubt die Person in mir zu sehen?\u201c oder \u201eWas sieht die Person mir gegen\u00fcber, was ich zuvor noch nie gesehen habe?\u201c Dabei beschreiben alle die \u00dcbungen als gro\u00dfen Konzentrationsakt, welcher ihnen viel Energie kostet. Diese Anspannung empfinden alle als sehr angenehm und beschreiben diesen Akt der Konzentration als fruchtbringend f\u00fcr neue Erkenntnisse. Die Faszination f\u00fcr die daraus entstandenen Skizzen teilen alle Studierenden. Dieser optische Wert spricht die Teilnehmenden an und motiviert sie f\u00fcr die Weiterarbeit mit diesen au\u00dferhalb des Seminars. Dabei erw\u00e4hnen sie vor allem die Visualisierung der Skizzen mit dem Diaprojektor. Es gelingt so schnell einen Einblick in die Arbeiten der anderen zu erlangen und durch die Vergr\u00f6\u00dferung tun sich neue Gestaltungsprinzipien auf. Die Studierenden k\u00f6nnen sich vorstellen, ihre Skizzen zu \u00fcbermalen, seriell zu arbeiten oder mit der Projektion eine Installation herzustellen.<\/p>\n<p><strong>\/\/Kontaktaufnahme<\/strong><\/p>\n<p>Im zweiten Block der Vermittlungssituation begeben sich die Teilnehmenden in den \u00f6ffentlichen Raum und verlassen den gesch\u00fctzten Rahmen des Seminarraums, um an neue Grenzen zu gelangen. Mit einem\/einer Partner_in entscheiden sich die Studierenden freiwillig f\u00fcr eine der vier vorgegebenen Wahlaufgaben, welche in den n\u00e4chsten drei\u00dfig Minuten durchgef\u00fchrt werden. An dieser Stelle sollen die Studierenden die Chance haben, sich selbst f\u00fcr ihre n\u00e4chste Aufgabe mit Fremden zu entscheiden. Die erfolgreiche Durchf\u00fchrung einer Aufgabe kann durch die eigene Wahl gew\u00e4hrleistet werden. Au\u00dferdem lernen die Studierenden sich selbst einzusch\u00e4tzen. Nach abgelaufener Zeit fordern die Vermittler_innen alle Teilnehmenden auf, die \u00dcbungen zu beenden und zur Reflexion in den Seminarraum zu erscheinen. W\u00e4hrend der Durchf\u00fchrung sind die Lernenden auf sich allein gestellt, um eigene Verantwortung zu \u00fcbernehmen.<\/p>\n<p>Den genauen Standort f\u00fcr ihr weiteres Arbeiten sollen die Studierenden selbst w\u00e4hlen, um einen durchdachten und reflektierten Einstieg in die praktische Aufgabe zu erhalten. Die Wahlaufgaben haben unterschiedliche Schwierigkeitsgrade, weil so alle individuelle Grenzen austesten k\u00f6nnen und durch die Wahlm\u00f6glichkeiten eine f\u00fcr sie umsetzbare Aufgabe m\u00f6glich ist. Dabei kn\u00fcpfen die vier Wahlaufgaben an die Aufgabenformate des ersten Blocks an, sodass die Studierenden erste Erfahrungen umsetzten und an vorherige\u00a0 \u00a0Lerninhalte ankn\u00fcpfen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><strong>\/\/ Blickentfernung<\/strong><\/p>\n<p>F\u00fcr die Blickentfernung ben\u00f6tigen die Studierenden keinerlei Material. Sie werden dazu aufgefordert, drei\u00dfig Minuten lang Blickkontakt zu halten. Die Entfernung beider soll dabei mindestens zwanzig Meter betragen. Durch die gro\u00dfe Entfernung ist die Schwierigkeit der Durchf\u00fchrung h\u00f6her und es erfolgt eine Steigerung zu den Aufgaben, welche zuvor im Seminarraum durchgef\u00fchrt wurden. So k\u00f6nnen Studierende gegebenenfalls auch an Erfolge ankn\u00fcpfen und lernen, ihre Grenzen selbst auszutesten. Der Standort f\u00fcr diese \u00dcbung muss vorab schl\u00fcssig gew\u00e4hlt werden.<\/p>\n<p><strong>\/\/ Umarmung<\/strong><\/p>\n<p>In der zweiten Wahlaufgabe gehen die Zweiergruppen nach drau\u00dfen und umarmen sich f\u00fcr drei\u00dfig Minuten. Der Schwierigkeitsgrad wird somit erneut erh\u00f6ht. Den Standort f\u00fcr die Umarmung w\u00e4hlen die Studierenden selbstst\u00e4ndig.<\/p>\n<p><strong>\/\/ Sitzpartner_in<\/strong><\/p>\n<p>F\u00fcr diese Aufgabe ben\u00f6tigen die Studierenden zwei St\u00fchle. Anschlie\u00dfend entscheiden sich die Studierenden f\u00fcr einen schl\u00fcssigen Standort, an welchem sie sich gegen\u00fcbersetzen und Blickkontakt halten. Auch hier kn\u00fcpfen die Studierenden an zuvor durchgef\u00fchrte \u00dcbungen an, sie sollen sich jedoch diesmal dem \u00f6ffentlichen Raum aussetzen und beobachten, wie sich m\u00f6glicherweise die N\u00e4he zueinander ver\u00e4ndert. Die Entfernung der beiden St\u00fchle ist dabei frei w\u00e4hlbar.<\/p>\n<p><strong>\/\/ Fremdkontakt<\/strong><\/p>\n<p>Die letzte Wahlaufgabe fordert die Studierenden auf, zu zweit eine dritte Person zu finden, welche sich freiwillig umarmen l\u00e4sst. Dabei ist es nicht wichtig, wie lange oder an welchem Standort die Umarmung stattfindet. Der Fokus soll n\u00e4mlich ausschlie\u00dflich auf der Suche nach einer dritten Person liegen. Diese Aufgabe sch\u00e4tzen wir als am schwersten ein und soll die Teilnehmenden bewusst vor eine neue Herausforderung stellen. Die gewonnene Intimit\u00e4t soll auf Fremde \u00fcbertragen werden.<\/p>\n<p><strong>\/\/ Reflexion<\/strong><\/p>\n<p>Nach dem Beenden aller Wahlaufgaben kommen sowohl die Teilnehmenden als auch Vermittelnden im Seminarraum zusammen. In diesem erfolgt die Auswertung der soeben erlebten Erfahrungen. Im Mittelpunkt steht dabei die individuelle Auseinandersetzung mit Intimit\u00e4t in Form einzelner performativen \u00dcbungen. Zwischenmenschliche Begegnungen werden dabei ausgewertet, diskutiert und deren Wirkung auf jeden Einzelnen reflektiert. M\u00f6gliche Grenz\u00fcberschreitungen oder Irritationsmomente sollen dabei im Plenum besprochen werden. Eine dem Moment und den Erfahrungen angepasste Auswertung findet statt.<\/p>\n<p>Die Strategien aller praktischen Aufgabentypen sind denen vier unterschiedlicher K\u00fcnstler_innen nachempfunden. Dabei handelt es sich um Marina Abramovic, Lozano Hemmer, Stefanie Trojan und Robert Mapplethorpe. Alle vier K\u00fcnstler_innen setzten sich in ausgew\u00e4hlten Werken mit N\u00e4he und Intimit\u00e4t auseinander.<\/p>\n<p>Marina Abramovic sitzt mehrere Wochen bei der Performance \u201eThe artist is present\u201c, aus dem Jahr 2012, in New York fremden Menschen auf einem Stuhl gegen\u00fcber. Die Personen sind nur durch einen Tisch getrennt. Die Zeit ist von den Besucher_innen der Performance selbst w\u00e4hlbar. Diese Performance zeigt, dass sich zwei fremde Personen nur durch einen Blick n\u00e4her kommen k\u00f6nnen. Aus diesem Grund haben wir uns f\u00fcr Blickkontakt in der VS entschieden.<\/p>\n<p>In der Arbeit \u201ePulse Room\u201c nimmt der K\u00fcnstler Lozano Hemmer Pulsschl\u00e4ge elektronisch auf, speichert diese und l\u00e4sst Gl\u00fchlampen im Schlag des Pulses aufleuchten. Die Idee der Pulsmessung ist aus dieser Installation hervorgegangen. Die Pulsmessung sollte jedoch mit der Hand durchgef\u00fchrt werden, da es so zu K\u00f6rperkontakt kommt.<\/p>\n<p>Stefanie Trojan galt f\u00fcr die VS als Anreiz, sich im zweiten Teil in den \u00f6ffentlichen Raum zu begeben. Stefanie Trojan f\u00fchrt h\u00e4ufig Performances im \u00f6ffentlichen Raum durch, welche sich mit N\u00e4he, Gesellschaftsregeln und Intimit\u00e4t auseinandersetzen und diese dabei hinterfragen, was uns den Anreiz gab, die Studierenden mit anderen Personen des \u00f6ffentlichen Raums zu konfrontieren.<\/p>\n<p>Impuls f\u00fcr die Aufgabe der Umarmung der Studierenden war die Fotografie \u201eEmbrace\u201c, aus dem Jahr 1982, vom K\u00fcnstler Robert Mapplethorpe. Diese zeigt zwei Menschen unterschiedlicher Hautfarbe in einer sehr innigen und festen Umarmung. Die Gesichter beider sind nicht zu erkennen und das Geschlecht der Menschen ist nicht identifizierbar. Die Umarmung als eine innige und intime zwischenmenschliche Begegnung bot sich gut f\u00fcr unsere VS an.<\/p>\n<p>Diese Strategien werden den Studierenden abschlie\u00dfend vorgestellt und werden in Form von take-home-messages bereitgestellt.<\/p>\n<p>Am Ende der Vermittlungssituation werden die Studierenden dazu aufgefordert, den Vermittelnden Feedback zu geben. Dies erfolgt in Form von Post-Its in Einzelarbeit. Dabei beenden sie drei vorgegebene S\u00e4tze, welche lauten: \u201eF\u00fcr meinen Tag nehme ich mir mit &#8230; \u201c \/ \u201eIch h\u00e4tte mir gew\u00fcnscht &#8230; \u201c \/ \u201eBesonders gelungen war &#8230; \u201c. Befestigt werden diese an den Fenstern und anschlie\u00dfend von den Vermittelnden eingesammelt.<\/p>\n<p><strong>\/\/ Ergebnisse<\/strong><\/p>\n<p>In der abschlie\u00dfenden Diskussion mit den Teilnehmenden werfen diese spannende Impulse in Bezug auf die einzelnen Wahlaufgaben auf.<\/p>\n<p>Zun\u00e4chst ist auff\u00e4llig, dass sich keiner f\u00fcr die Wahlaufgabe \u201eFremdkontakt\u201c entschieden hat. Die Studierenden begr\u00fcndeten ihre Wahl damit, dass sie keinerlei Angst vor K\u00f6rperkontakt mit anderen Personen h\u00e4tten, sondern sie die Aufgabe als nicht stimmig im Konzept der Vermittlungssituation empfanden. Die Intensit\u00e4t und damit verbundene Qualit\u00e4t der Vermittlungssituation h\u00e4tten so sinken k\u00f6nnen. Daher lag das Interesse aller der Umsetzung der anderen drei Wahlaufgaben.<\/p>\n<p>Zwei Gruppen entschieden sich f\u00fcr die Aufgabe \u201eBlickentfernung\u201c und hatten \u00e4hnliche Erkenntnisse. Alle nahmen die \u00dcbung als physisch anstrengend wahr. Sie stellten fest, dass durch den gro\u00dfen Abstand zueinander die Ablenkung durch \u00e4u\u00dfere Einfl\u00fcsse, wie Fahrzeuge oder andere Menschen, sehr gro\u00df war. Die Perspektive zum Innenraum ver\u00e4nderte sich und eine der Studierenden beschrieb diese \u00dcbung als \u201eBeobachtungsstudie\u201c. Die Intimit\u00e4t zum\/zur eigenen Partner_in nahm daher ab, das Blickfeld erweiterte sich und die Studierenden wurden so f\u00fcr ihre Umgebung sensibilisiert.<\/p>\n<p>Der Gruppe, welche sich der Aufgabe \u201eSitzpartner_in\u201c stellte, fiel auf, dass die Aufrechterhaltung der Verbindung zueinander sehr viel mehr Anstrengung kostete. Der Blick wurde dadurch jedoch intensiviert. Sie sprachen von der Wahrnehmung \u201ebunter Farben\u201c und einem \u201eStrom voller Licht\u201c. Durch den Standort des Treppenhauses befanden sich beide Studierenden in einem st\u00e4ndig belebten Ort und realisierten, wie relevant ein Standort f\u00fcr performative \u00dcbungen ist, auch in der Betrachtung einer K\u00fcnstler_in-Performance.<\/p>\n<p>Die letzte Gruppe mit der \u00dcbung \u201eUmarmungen\u201c merkte an, wie relevant das Thema \u201eZeit\u201c f\u00fcr die Thematik <strong>\u201e<\/strong>Performance\u201c sein kann. Ein spannender Punkt, der darauf zur\u00fcckzuf\u00fchren ist, wie individuell Zeit wahrgenommen wird.<\/p>\n<p>Im Abschlussgespr\u00e4ch konnte au\u00dferdem festgestellt werden, wie relevant die Kleidungswahl f\u00fcr die performativen \u00dcbungen war. Alle Teilnehmenden wurden bereits am Morgen mit der Kleidungswahl auf die stattfindende Vermittlungssituation eingestimmt und somit Spannung erzeugt.<\/p>\n<hr \/>\n<p>Literaturverzeichnis<\/p>\n<p>\/\/ Prim\u00e4rliteratur<\/p>\n<h2><\/h2>\n<ul>\n<li>Birgit Engel, Katja B\u00f6hme (Hrsg.): Kunst und Didaktik in Bewegung. Kunstdidaktische Installation als Professionalisierungsimpuls. In: Didaktische Logiken des Unbestimmten. Eine Materialreihe der Kunstakademie M\u00fcnster. Band 1, 2014. S. 7.<\/li>\n<li>David George E. R.: Performance Epistomology. In: Gough, Richard \/ Allsopp, Ric (Hrsg.): Performance Research 1\/1. The temper of time. Theatre Studies. London: Taylor &amp; Francis. 1998. S. 16.<\/li>\n<li>Lange, Marie-Luise (Hrsg.): Performativit\u00e4t erfahren: Aktionskunst lehren \u2013 Aktionskunst lernen. In: Performativit\u00e4t erfahren. Berlin; Milow; Strasburg: Schibri-Verlag 2006. S. 4.<\/li>\n<li>Peters, Maria: Performative Handlungen und biographische Spuren in Kunst und P\u00e4dagogik. In: Kunstp\u00e4dagogische Positionen. Hamburg 2005. S. 8.<\/li>\n<li>Ulrich Greiner: Schamverlust: vom Wandel der Gef\u00fchlskultur. In: Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 2014. S. 24.<\/li>\n<\/ul>\n<p>\/\/ Sekund\u00e4rliteratur<\/p>\n<ul>\n<li>Friederike Fast: Die Scham liegt im Auge des Betrachters. In: Die innere Haut. Herford: Marta Herford. 2017.<\/li>\n<li>Gabriele Klein: Stadt. Szenen. K\u00fcnstlerische Praktiken und theoretische Positionen. Wien: Passagen. 2005.<\/li>\n<li>Hugo von Hofmannsthal: Das Sch\u00f6ne, auch in der Kunst, ist ohne Scham nicht denkbar. In: Die innere Haut. Herford: Marta Herford. 2017.<\/li>\n<li>Malte Pfeiffer: Performativit\u00e4t und Kulturelle Bildung. In: Kulturelle Bildung Online. 2012\/13.<\/li>\n<\/ul>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; EINE VERMITTLUNGSSITUATION VON JONAS TROPARTZ, KATHARINA RUBLEV &amp; VANESSA KARNETT TEXT: JONAS TROPARTZ Verortung\u00a0[come together] Die Performance, eine Kunstgattung entstanden im 20. Jahrhundert, er\u00f6ffnet durch die freien und vitalen innewohnenden Ausdrucksformen eine Bandbreite an Vermittlungsm\u00f6glichkeiten. 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