{"id":433,"date":"2019-02-14T17:16:47","date_gmt":"2019-02-14T15:16:47","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.tu-dresden.de\/kunstdidaktik-tud\/?p=433"},"modified":"2019-11-04T13:02:26","modified_gmt":"2019-11-04T11:02:26","slug":"vermittlungssituation-im-leonhardimuseum","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.tu-dresden.de\/kunstdidaktik-tud\/2019\/02\/14\/vermittlungssituation-im-leonhardimuseum\/","title":{"rendered":"VERMITTLUNGSSITUATION IM LEONHARDIMUSEUM"},"content":{"rendered":"<div id='gallery-1' class='gallery galleryid-433 gallery-columns-3 gallery-size-thumbnail'><figure class='gallery-item'>\n\t\t\t<div class='gallery-icon landscape'>\n\t\t\t\t<a href='https:\/\/blog.tu-dresden.de\/kunstdidaktik-tud\/2019\/02\/14\/vermittlungssituation-im-leonhardimuseum\/abb-2-das-leonhardi-museum-in-dresden\/'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"150\" height=\"150\" src=\"https:\/\/blog.tu-dresden.de\/kunstdidaktik-tud\/files\/2019\/02\/Abb.-2-Das-Leonhardi-Museum-in-Dresden-150x150.jpg\" class=\"attachment-thumbnail size-thumbnail\" alt=\"\" aria-describedby=\"gallery-1-436\" \/><\/a>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<figcaption class='wp-caption-text gallery-caption' id='gallery-1-436'>\n\t\t\t\tDas Leonhardi Museum Dresden, Foto: https:\/\/commons.wikimedia.org\/w\/index.php?curid=10116093\n\t\t\t\t<\/figcaption><\/figure><figure class='gallery-item'>\n\t\t\t<div class='gallery-icon landscape'>\n\t\t\t\t<a href='https:\/\/blog.tu-dresden.de\/kunstdidaktik-tud\/2019\/02\/14\/vermittlungssituation-im-leonhardimuseum\/abb-1-materialerkundung-am-elbufer-2\/'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"150\" height=\"150\" src=\"https:\/\/blog.tu-dresden.de\/kunstdidaktik-tud\/files\/2019\/02\/Abb.-1-Materialerkundung-am-Elbufer-150x150.png\" class=\"attachment-thumbnail size-thumbnail\" alt=\"\" aria-describedby=\"gallery-1-435\" \/><\/a>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<figcaption class='wp-caption-text gallery-caption' id='gallery-1-435'>\n\t\t\t\tFoto: Christin L\u00fcbke\n\t\t\t\t<\/figcaption><\/figure><figure class='gallery-item'>\n\t\t\t<div class='gallery-icon landscape'>\n\t\t\t\t<a href='https:\/\/blog.tu-dresden.de\/kunstdidaktik-tud\/2019\/02\/14\/vermittlungssituation-im-leonhardimuseum\/abb-7-joachim-richau-fragment-sten-roed-ii-schweden-2015\/'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"150\" height=\"150\" src=\"https:\/\/blog.tu-dresden.de\/kunstdidaktik-tud\/files\/2019\/02\/Abb.-7-Joachim-Richau-Fragment-STEN-R\u00d6D-II-Schweden-2015-150x150.jpg\" class=\"attachment-thumbnail size-thumbnail\" alt=\"\" aria-describedby=\"gallery-1-440\" \/><\/a>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<figcaption class='wp-caption-text gallery-caption' id='gallery-1-440'>\n\t\t\t\tFoto: Martha Tille\n\t\t\t\t<\/figcaption><\/figure><figure class='gallery-item'>\n\t\t\t<div class='gallery-icon landscape'>\n\t\t\t\t<a href='https:\/\/blog.tu-dresden.de\/kunstdidaktik-tud\/2019\/02\/14\/vermittlungssituation-im-leonhardimuseum\/abb-6-joachim-richau-fragment-massiv-ii-schweden-2016\/'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"150\" height=\"150\" src=\"https:\/\/blog.tu-dresden.de\/kunstdidaktik-tud\/files\/2019\/02\/Abb.-6-Joachim-Richau-Fragment-MASSIV-II-Schweden-2016-150x150.jpg\" class=\"attachment-thumbnail size-thumbnail\" alt=\"\" aria-describedby=\"gallery-1-439\" \/><\/a>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<figcaption class='wp-caption-text gallery-caption' id='gallery-1-439'>\n\t\t\t\tFoto: Martha Tille\n\t\t\t\t<\/figcaption><\/figure><figure class='gallery-item'>\n\t\t\t<div class='gallery-icon landscape'>\n\t\t\t\t<a href='https:\/\/blog.tu-dresden.de\/kunstdidaktik-tud\/2019\/02\/14\/vermittlungssituation-im-leonhardimuseum\/abb-5-joachim-richau-fragment-stenn-brott-i-schweden-2010\/'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"150\" height=\"150\" 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\/><\/a>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<figcaption class='wp-caption-text gallery-caption' id='gallery-1-437'>\n\t\t\t\tFoto: Martha Tille\n\t\t\t\t<\/figcaption><\/figure>\n\t\t<\/div>\n\n<p><b># <\/b><b>Verortung<\/b><\/p>\n<p>EINE VERMITTLUNGSSITUATION IM MUSEUM.<\/p>\n<p>WAS ZEICHNET DIESEN BESONDEREN LERNORT<br \/>\nAUS UND WIE GELINGT DIE VERMITTLUNG?<\/p>\n<p>TEXT: MARTHA TILLE<\/p>\n<p>Das Museum ist als ein Ort zu begreifen, der schulisches Lernen durch authentische Erfahrungen erweitert und bereichert. Dabei kann er als Teil in ein Projekt aufgenommen werden, der Vertiefung der Unterrichtsinhalte dienen oder auch bewusst als Freiraum definiert werden (Vgl. Rupprecht 2016, S. 271f.).<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Gerade in unserer zunehmend digitalisierten Welt zeichnen sich Museen als besondere Lernorte dadurch aus, dass die Authentizit\u00e4t des originalen Kunstwerks das Verstehen und Begreifen und somit auch das Lernen f\u00f6rdert (Vgl. Kunz-Ott 2013). Die Kunstp\u00e4dagogin Bettina Uhlig begr\u00fcndet dies folgenderma\u00dfen: \u201eWerden einzelne Sinnesreize ausgeblendet, wie es beispielsweise dann der Fall ist, wenn nur eine Reproduktion zur Verf\u00fcgung steht, wird die Wahrnehmung eingeschr\u00e4nkt und m\u00f6glicherweise verf\u00e4lscht\u201c (Uhlig 2005, S. 93.). Das Original birgt also das gro\u00dfe Potenzial, dass \u00e4sthetische Erfahrungen erm\u00f6glicht werden und Pers\u00f6nlichkeitsentwicklungen stattfinden k\u00f6nnen. Mit der \u201eBildung im Museum\u201c sollte deshalb auch nicht von <i>Wissensvermittlung<\/i> und <i>Belehrung<\/i>, sondern vielmehr von der \u201eSelbst-Bildung\u201c der Pers\u00f6nlichkeit gesprochen werden (Vgl. Kunz-Ott 2013). Diese findet dadurch statt, dass vor dem Original pers\u00f6nliche Perspektiven, Meinungen und Haltungen ausgetauscht und hinterfragt werden. Dieser Prozess erfordert eine Perspektiv\u00fcbernahme gegen\u00fcber der Bildfigur, den Haltungen anderer Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler sowie der Intension des K\u00fcnstlers bzw. der K\u00fcnstlerin. Eine Perspektiv\u00fcbernahme bedeutet gleichzeitig, in Distanz zu treten zur eigenen Person, zu Rollen- und Identit\u00e4tsbildern und sich selbst darin zu verorten (Vgl. Uhlig 2005, S. 66f.).<\/p>\n<p>Aber Vermittlung bedeutet nicht gleich Aneignung. Es stellt sich also die entscheidende Frage, welche Vermittlungsformate die RezipientInnen auch tats\u00e4chlich erreichen und wodurch sinnstiftende Auseinandersetzungen angeregt werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Leider ist es eher ern\u00fcchternd, dass durch Museumsbesuche keine Steigerung der privaten Museumsbesuche bei den Kindern festgestellt werden konnte (Vgl. Rupprecht 2016, S. 270). Auch eine Strukturierung durch F\u00fchrungen oder konkrete Aufgaben resultiert in weniger Eigeninteresse und Motivation (Rupprecht 2016, S. 268). Es erscheint vor diesem Hintergrund also besonders wichtig, die bestehenden Formen der Wissensvermittlung aufzubrechen und neue Formate mit methodischer Vielfalt zu entwerfen, um Kinder zu begeistern und \u00fcber die Schule hinaus zu motivieren. Nur wenn Museumsbesuche auch Spa\u00df und Freude machen, kann das Interesse f\u00fcr die Institution langfristig geweckt werden (Vgl. Rupprecht 2016, S. 267). F\u00f6rderlich f\u00fcr die intrinsische Motivation wirkt sich die Befriedigung der Bed\u00fcrfnisse von Kindern nach \u201eAutonomie, Kompetenz und sozialer Eingebundenheit [aus]\u201c (Rupprecht 2016, S. 269). Dieses Ziel kann zum Beispiel durch forschendes und entdeckendes Lernen erreicht werden (Vgl. Rupprecht 2016, S. 270). Methoden wie diese erfordern im Gegensatz zur \u00dcbermittlung von Informationen allerdings ausreichend Zeit und Freir\u00e4ume f\u00fcr die selbstbestimmte, eigenaktive Erkundung der Ausstellung.<\/p>\n<p>Werden die hier aufgef\u00fchrten Forderungen ber\u00fccksichtigt, so kann Lernen im konstruktivistischen Sinne stattfinden und sichergestellt werden, dass \u201eder Lernende eine aktive Rolle bei der Konstruktion von Sinn und Bedeutung spielt.\u201c (Rupprecht 2016, S. 268).<\/p>\n<p>Die Kunst- und Kulturwissenschaftlerin Nora Sternfeld kritisiert in ihrem Beitrag <i>Der Taxispieler<\/i><i>trick<\/i>, dass bei herk\u00f6mmlichen Vermittlungsformaten kein \u201eabholen der Menschen, wo sie stehen\u201c stattfindet (Sternfeld 2005, S. 328). Vielmehr, so f\u00fchrt die Autorin aus, richte sich die Vermittlung an die leistungsstarken Kinder der oberen Bildungsschichten. So werde Wissen \u201estillschweigend vorausgesetzt\u201c und \u201elobend gef\u00f6rdert\u201c (Sternfeld 2005, S. 328). Als Resultat werden \u201ediejenigen, die es nicht bereits unbewusst besitzen und gerade deshalb zumeist auch nicht danach zu fragen wagen, [\u2026] im p\u00e4dagogischen Prozess benachteiligt\u201c (Sternfeld 2005, S. 329). Das \u00fcbergeordnete Ziel bei der Planung einer Vermittlungssituation besteht also in der Herausforderung, <i>alle<\/i> Sch\u00fclerInnen dort abzuholen, wo sie stehen. Als L\u00f6sungsvorschlag f\u00fchrt Sternfeld im Gegensatz zur meist nur <i>partizipatorischen<\/i> die <i>ema<\/i><i>n<\/i><i>zipatorische P\u00e4dagogik<\/i> an. Diese richtet sich danach, den ganz pers\u00f6nlichen Standort zu thematisieren, also den individuellen Bezug zum Museum und Kunstwerk als Ankn\u00fcpfungspunkt zu w\u00e4hlen (Vgl. Sternfeld 2005, S. 331f.). Auf diesem Wege ginge es nicht mehr wie bisher um Informationsweitergabe sondern darum, welche Kontexte offengelegt und Fragen aufgeworfen werden k\u00f6nnen (Vgl. Sternfeld 2005, S. 332).<\/p>\n<p>Alle Kinder in die Kunstrezeption einzubeziehen bedeutet, dort anzukn\u00fcpfen, wo jedes (gesunde) Kind die gleichen Voraussetzungen hat: bei der Wahrnehmung unserer Umwelt mit unseren Sinnen. Denn das Original bietet, im Gegensatz zur Reproduktion, die M\u00f6glichkeit des \u201eLernen[s] mit allen Sinnen\u201c (Rupprecht 2016, S. 272). Nutzt man dieses Potenzial, so fungieren die vielsinnlichen Wahrnehmungen als Basis f\u00fcr eine vertiefte Rezeption und f\u00f6rdern dadurch Interpretationsprozesse (Vgl. Uhlig 2005, S. 93f.). Erste Assoziationen k\u00f6nnen dann zur Verdichtung der Wahrnehmungen f\u00f6rderlich sein, da durch diese Methode Informationsnetzwerke aufgebaut und damit das Lernen gef\u00f6rdert wird (Vgl. Uhlig 2005, S. 63).<\/p>\n<p>Dabei ist zu bedenken, dass Kunstrezeption immer auch ein sozialer Prozess ist. Es geht darum \u201ewer aus welcher Perspektive was sieht\u201c (Sternfeld 2005, S. 332). Im Austausch \u00fcber Kunst im Museum gibt es also kein \u201erichtig\u201c und kein \u201efalsch\u201c, nur Wahrnehmungen und Gedanken in der individuellen Kunstrezeption (Vgl. Uhlig 2005, S. 99.). Diese Offenheit der Lehrperson gegen\u00fcber unterschiedlichen Wahrnehmungswelten ist eine entscheidende Grundlage f\u00fcr die tiefgr\u00fcndige und ehrliche Auseinandersetzung in der Vermittlungssituation.<\/p>\n<p>Die Vermittlungssituation widmet sich vordergr\u00fcndig der Sonderausstellung \u201eWERK WANDEL\u201c des K\u00fcnstlers Joachim Richau, welche vom 02.06.2018 &#8211; 19.08.2018 im Leonhardimuseum Dresden stattfand.<\/p>\n<p>Joachim Richau wurde 1952 in Ost-Berlin geboren. Heute lebt er in Berlin und der Uckermark und ist seit 1983 freischaffend fotografisch t\u00e4tig. Seit 1989 fanden regelm\u00e4\u00dfige Arbeitsaufenthalte in Schweden statt, wobei er von 2005 &#8211; 2016 in seinem Atelier in einer Waldh\u00fctte eines Freundes lebte und arbeitete. In dieser Zeit setzte er sich intensiv mit Landschaftsstrukturen auseinander und neben Einzelbildern entstand hier auch der Zyklus \u201eFRAGMENT\u201c. In der Stille und Abgeschiedenheit fand er Konzentration f\u00fcr die k\u00fcnstlerische Versenkung und Hinwendung zu sich selbst (Vgl. Richau 2017, S. 1f.). Seine langsame Arbeitsweise beschreibt der K\u00fcnstler selbst als \u201emeditativ-forschende Sammlungst\u00e4tigkeit\u201c (Richau 2017, S. 2). Richaus Werk ist stark biografisch gepr\u00e4gt: \u201eEs ist egal, wo und was ich fotografiere, ich fotografiere immer mich\u201c (Richau 2017, S. 4). Dies zeigt sich f\u00fcr den Betrachtenden besonders in jenen Arbeiten, die nach einer Krebserkrankung und nach dem Tod seiner Tochter entstanden sind (\u201eRost is I\u201c und \u201eSten Brott I\u201c).<\/p>\n<p>Die Ausstellung in Dresden w\u00fcrdigte den 65. Geburtstag des K\u00fcnnstlers, indem sie einen Einblick in sein 40-j\u00e4hriges Werk gab. Es waren 98 fotografische Arbeiten unterschiedlicher Werkkomplexe von 1979 \u2013 2006 zu sehen. Insgesamt umfasste die Ausstellung vier Stationen in Deutschland, wobei jede Station schwerpunktm\u00e4\u00dfig andere Facetten seines Werkes vorstellte.<\/p>\n<p><b># <\/b><b>Ziele<\/b><\/p>\n<p>Das Lernpotenzial von Museen als au\u00dferschulische Lernorte wird in der Praxis noch nicht ausreichend ausgesch\u00f6pft. Die Leiterin der Abteilung <i>Bildung und Vermittlung im Deutschen Hygiene-Museum Dresden<\/i>, Carola Rupprecht, fordert deshalb ausdr\u00fccklich mehr Zusammenarbeit und gemeinsame Projekte zwischen Museen und Schulen (Vgl. Rupprecht 2016, S. 267). Die durchgef\u00fchrte Vermittlungssituation dient deshalb einer Ann\u00e4herung an den au\u00dferschulischen Lernort Museum im Allgemeinen und als Anreiz f\u00fcr die angehenden LehrerInnen, im sp\u00e4teren Berufsleben Museen mit ihren Schulklassen zu erkunden. Je gr\u00f6\u00dfer der pers\u00f6nliche Bezug und die Museumskompetenz der Lehrkraft sind, desto mehr besucht diese mit ihrer Klasse ein Museum (Vgl. Rupprecht 2016, S. 271). Au\u00dferdem bietet die Vermittlungssituation den Studierenden die Gelegenheit, das Leonhardimuseum Dresden als konkreten Lernort der Stadt Dresden kennen zu lernen. Mit der Sonderausstellung des Fotografen Joachim Richau \u201eWERK WANDEL. Fotografische Arbeiten 1979 &#8211; 2016\u201c bietet sich au\u00dferdem die M\u00f6glichkeit, sich mit dem zeitgen\u00f6ssischen deutschen K\u00fcnstler und dem Medium der Fotografie vertiefend auseinanderzusetzen. Der Schwerpunkt soll dabei auf den Werken des Zyklus \u201eFRAGMENT oder die Gegenwart des Zweifels\u201c liegen, welcher vor allem aus skandinavischen Landschaftsfotografien besteht, deren Hauptgegenstand der Stein in unterschiedlichsten Formationen und Witterungen ist.<\/p>\n<p>Der Stein bildet den Schnittpunkt zwischen dem Bildgegenstand, dem historischen Geb\u00e4ude und den romantischen Landschaftsmalereien des Namensgebers Eduard Leonhardi (1828 &#8211; 1905). Zur Vorbereitung auf das Museum steht deshalb eine vielsinnliche Ann\u00e4herung an die Materialit\u00e4t von Steinen. Das Ziel besteht darin, die visuell basierte Rezeption der Fotografien durch weitere sinnliche Dimensionen zu erweitern. Auf dieser Grundlage kann ein sinnstiftender Austausch vor dem Original eingeleitet werden und eine vertiefende Auseinandersetzung mit der Landschaftsfotografie stattfinden. Das reflektierende Gespr\u00e4ch im Anschluss an die Kunstrezeption soll den K\u00fcnstler, sein Werk und den Ort zusammenf\u00fchren und sowohl deren Potenzial als auch m\u00f6gliche Grenzen aufzeigen.<\/p>\n<p>F\u00fcr die sp\u00e4tere Planung im Rahmen der Lehrt\u00e4tigkeit ist es wichtig zu wissen, dass eine h\u00f6here Wirksamkeit der Lernprozesse dann erreicht werden kann, wenn der Besuch in den Schulunterricht eingebunden wird, also eine Vor- und Nachbereitung des Besuchs im Museum stattfindet (Vgl. Rupprecht 2016, S. 269f.).<\/p>\n<p><b># <\/b><b>Konzept<\/b><\/p>\n<p>Zentraler Bestandteil der Vermittlungssituation ist die Ann\u00e4herung an die Fotoausstellung des K\u00fcnstlers Joachim Richau. Im Mittelpunkt stehen die sinnstiftende Ann\u00e4herung an den Bildgegenstand sowie die Wirkung und Ausdrucksform der Kunstwerke. Zweitrangig soll auch \u00fcber den K\u00fcnstler und seine Arbeitsweise informiert werden, was jedoch in einem nachfolgenden Kunstunterricht aufgegriffen und vertieft werden k\u00f6nnte. Das Leonhardimuseum als solches steht dabei aufgrund der zeitlichen Begrenzung im Hintergrund, in der Schulpraxis k\u00f6nnte dem Besuch eine Thematisierung des Museums vorausgehen. Insgesamt besteht dann die Vermittlungssituation aus folgenden Aufgabenformaten:<\/p>\n<p>Vielsinnliche Wahrnehmung und Ann\u00e4herung an die Materialit\u00e4t von Steinen,<\/p>\n<ol>\n<li>Aufnahme einer Audiodatei\/Sprachnachricht mit pers\u00f6nlichen Zug\u00e4ngen und Assoziationen zum Material,<\/li>\n<\/ol>\n<ol>\n<li>Rundgang durch die Fotoausstellung und gleichzeitiges Abspielen der Audiodateien,<\/li>\n<\/ol>\n<ol>\n<li>Austausch im Zweiergespr\u00e4ch vor den Kunstwerken,<\/li>\n<\/ol>\n<ol>\n<li>Diskussionsrunde im Plenum vor den Kunstwerken zum Ausdrucksmedium Fotografie, zum Werk und der Biografie des K\u00fcnstlers sowie der Ausstellungskonzeption,<\/li>\n<\/ol>\n<ol>\n<li>Abschluss und Beantwortung offener Fragen der Studierenden.<\/li>\n<\/ol>\n<p>Durch diesen Ablauf wird in der Vermittlungssituation ein Wechselspiel zwischen Rezeptions-, Reflexions- und Produktionsphasen hergestellt.<\/p>\n<p>Die Vermittlungssituation beginnt am Elbufer unterhalb des Leonhardimuseums. In der Einstiegsphase erkunden die Studierenden unterschiedliche Steine durch den Tast-, Geruchs- und Sehsinn. Erste Assoziationen halten sie auf Notizzetteln fest. Diese dienen als Grundlage daf\u00fcr, direkt im Anschluss einzeln oder zu zweit eine einmin\u00fctige Audiodatei bzw. Sprachnachricht im Massenger \u201eWhattsapp\u201c aufzunehmen. Das Ziel dieser Einf\u00fchrung ist es, die durch die sinnlichen Erfahrungen angeregten pers\u00f6nlichen Assoziationen, Erinnerungen und Bedeutungen wachzurufen, f\u00fcr den sp\u00e4teren Museumsbesuch zu bewahren und mit den anderen zu teilen. Die Audiodateien werden dann der gesamten Seminargruppe im Messenger zur Verf\u00fcgung gestellt.<\/p>\n<p>Nach einem kurzen Fu\u00dfweg zum Museum beginnt der Hauptteil der Vermittlungssituation. In der ersten Phase erkunden die Studierenden zuerst die Ausstellung und h\u00f6ren dabei \u00fcber Kopfh\u00f6rer die zuvor aufgenommenen pers\u00f6nlichen Erz\u00e4hlungen der KommilitonInnen. Dadurch wird die visuelle Wahrnehmung durch die auditive Dimension erg\u00e4nzt und gleichzeitig die Kunstrezeption mit den sehr pers\u00f6nlichen Inhalten der anderen angereichert.<\/p>\n<p>In der zweiten Phase werden die Studierenden in zwei Gruppen aufgeteilt. Die erste Gruppe verortet sich vor einem Kunstwerk im Museum, wo zuvor ein besonders sinnlicher, emotionaler oder spannender Moment aufgetreten ist. Diese subjektive Erfahrung dient als Ansatzpunkt f\u00fcr ein Gespr\u00e4ch mit TeilnehmerInnen aus der zweiten Gruppe. Diese suchen nacheinander mehrere verortete Studierende auf und Stellen eine Frage zum Werk. Die Sozialform der Partnerarbeit intensiviert dabei den pers\u00f6nlichen Austausch und l\u00e4sst viel Gespr\u00e4chsraum f\u00fcr die unterschiedlichen pers\u00f6nlichen Zug\u00e4nge zu den Werken.<\/p>\n<p>Den Abschluss des Museumsaufenthalts bildet eine Diskussionsrunde im Plenum vor einzelnen Kunstwerken. Dabei wird zuerst auf die vorangegangen pers\u00f6nlichen Erfahrungen und Diskussionen eingegangen, um diese wertzusch\u00e4tzen und anschlie\u00dfend zu weiteren Themengebieten \u00fcbergehen zu k\u00f6nnen. Ziel dabei ist die Anregung sinnstiftender Auseinandersetzungen \u00fcber das Werk, das Ausdrucksmedium Fotografie und der Ausstellungskonzeption. Hintergrundinformationen zur Biografie und Arbeitsweise des K\u00fcnstlers dienen dabei als Ausgangspunkt, um Zitate zu diskutieren und sie in Bezug zu den Kunstwerken zu setzen.<\/p>\n<p><b>Quellen<\/b><\/p>\n<p>Richau, Joachim: FRAGMENT oder die Gegenwart des Zweifels. Verlag Heidelberg Berlin, K\u00f6ln, 2017, keine Seitennummerierung. Einzusehen unter: http:\/\/www.joachim-richau.de\/info\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Booklet-Richau-19.4.ES-final.pdf, letzter Zugriff am 31.08.2018.<\/p>\n<p>Rupprecht, Carola: Schule und Museum. In:\u00a0 Beatrix Commandeur, Hannelore Kunz-Ott, Karin Schad (Hrsg.): Handbuch Museumsp\u00e4dagogik. Kulturelle Bildung in Museen, Druck: Kessler Druck+Medien, Bobingen, 2016, S. 267-273.<\/p>\n<p>Sternfeld, Nora: Der Taxispielertrick. Vermittlung zwischen Selbstregulierung und Selbsterm\u00e4chtigung, in: Meyer, Torsten \/ Kolb, Gina: what\u2019s next? Art Education. Ein Reader, M\u00fcnchen 2015, S. 326-332.<\/p>\n<p>Uhlig, Bettina: Kunstrezeption in der Grundschule: Zu einer grundschulspezifischen Rezeptionsmethode, M\u00fcnchen 2005, (Dissertation), S. 62-105.<\/p>\n<p>Kunz-Ott, Hannelore:\u202fMuseum und Kulturelle Bildung, 2012\/13, einzusehen unter: https:\/\/www.kubi-online.de\/artikel\/museum-kulturelle-bildung, letzter Zugriff am 29.08.2018.<\/p>\n<p>Internetseite des Leonhardimuseums Dresden:\u00a0 https:\/\/www.leonhardi-museum.de\/<\/p>\n<p>Internetseite des K\u00fcnstlers Joachim Richau: http:\/\/<\/p>\n<p>www.joachim-richau.de\/info\/<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p># Verortung EINE VERMITTLUNGSSITUATION IM MUSEUM. WAS ZEICHNET DIESEN BESONDEREN LERNORT AUS UND WIE GELINGT DIE VERMITTLUNG? TEXT: MARTHA TILLE Das Museum ist als ein Ort zu begreifen, der schulisches Lernen durch authentische Erfahrungen erweitert und bereichert. 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