{"id":610,"date":"2018-01-05T13:35:49","date_gmt":"2018-01-05T11:35:49","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.tu-dresden.de\/lehrraum-digital\/?p=610"},"modified":"2018-06-20T15:52:38","modified_gmt":"2018-06-20T13:52:38","slug":"entwurfsmuster-in-der-lehr-und-lernraumplanung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.tu-dresden.de\/lehrraum-digital\/2018\/01\/05\/entwurfsmuster-in-der-lehr-und-lernraumplanung\/","title":{"rendered":"Entwurfsmuster in der Lehr- und Lernraumplanung"},"content":{"rendered":"<p><strong>Zum Potential von\u00a0Entwurfsmustern in der Lehr- und Lernraumplanung<\/strong><\/p>\n<p>F\u00fcr alle die noch Luft und Mu\u00dfe haben, nun ein paar weitere Ausf\u00fchrungen zum Thema\u00a0<strong>\u00a0<\/strong>Entwurfsmustern in der Lehr- und Lernraumplanung. Aber nur, wenn Sie noch Lust haben. Sie verpassen nichts, was den Weltverlauf in irgendeiner Weise vom Kurs abbringen k\u00f6nnte. Okay? Also gut\u2026 Ich m\u00f6chte den ersten Punkt ein wenig weiter ausbreiten, denn er ist m.E. ein wissenschaftstheoretischer Leckerbissen. Die Suche nach einem Perpetuum Mobile der Digitalisierungs-Planung wurde verworfen und der Eingrenzung eines un\u00fcberschaubar zu werden drohenden Planungsmodells auf kleinere, vertr\u00e4glichere Brocken wurde der Vorzug einger\u00e4umt. Das ist die Planungsthematik schlechthin. Designtheoretiker blicken dabei auf Ren\u00e9 Descartes zur\u00fcck, der im 17. Jahrhundert lebte und der vor allem f\u00fcr seine Beitr\u00e4ge zur Aufkl\u00e4rung \u2013 <em>Ich denke, also bin ich\u2026<\/em> \u2013 bekannt ist. In unserer Aufgabenstellung bringt uns aber vor allem seine Empfehlung weiter, komplexe Probleme in Teilprobleme zu zerlegen und sich so der L\u00f6sung eines Gesamtproblems in kleinen Schritten anzun\u00e4hern. In die Moderne transponiert wurde dieser Gedanke von Herbert A. Simon, der f\u00fcr seinen Beitrag zur vern\u00fcnftigen Begr\u00fcndung der Teilbetrachtung \u2013 <em>Bounded Rationality <\/em>&#8211; sogar einen Nobelpreis \u00fcberreicht bekam. F\u00fcr die gegenw\u00e4rtige Architektur &#8211; und die ist f\u00fcr unser Forschungsprogramm ja von einiger Bedeutung \u2013 ist diese Moderne der bevorzugte Betrachtungspunkt. Und da war es vor allem Christopher Alexander, der mit einer entsprechenden Mustertheorie ebenfalls auf das Thema Begrenzung hinwies. Eindrucksvoll hinwies, muss man vielleicht sagen, denn Alexanders Theorie erstreckt sich \u2013 oh Schreck &#8211; \u00fcber rund 1000 Seiten.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-425 size-medium alignleft\" src=\"http:\/\/blog.tu-dresden.de\/lehrraum-digital\/files\/2017\/12\/designmodell-300x182.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"182\" srcset=\"https:\/\/blog.tu-dresden.de\/lehrraum-digital\/files\/2017\/12\/designmodell-300x182.jpg 300w, https:\/\/blog.tu-dresden.de\/lehrraum-digital\/files\/2017\/12\/designmodell-1024x622.jpg 1024w, https:\/\/blog.tu-dresden.de\/lehrraum-digital\/files\/2017\/12\/designmodell.jpg 1451w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/p>\n<p>Gl\u00fccklicherweise hat sich mit Helmut Leitner ein freundlicher Kommentator Alexanders gefunden, der es uns erm\u00f6glicht, gleich auf die Schultern des Riesen zu steigen und auf diese Weise m\u00f6glicherweise noch weiter schauen zu k\u00f6nnen. Alexander ist von immer wiederkehrenden Mustern beeindruckt, die er in der Architektur vorfindet. Diese Muster sind f\u00fcr ihn nichts anderes, als die durch bestimmte Bedingungen festgelegte Formgebungen, die immer-und-immerwieder in der Architektur auftauchen. Dieses Idee wurde in den didaktischen Bereich \u00fcbernommen und siehe da, auch hier finden sich, schaut man genau hin, Muster, die immer wieder in \u00e4hnlicher Weise zur Anwendung kommen. Nichts Neues soweit, was also ist das Besondere in unserem Projekt? Alexander m\u00f6chte sich besser mit Laien \u00fcber die Planungsprobleme der Architektur unterhalten k\u00f6nnen. F\u00fcr ihn ist das Sprechen \u00fcber ein Problem der erste Schritt, den eigenen Vorstellungsbereich zu erweitern. Ganz im Sinne Wittgensteins: \u201eDie Grenzen meiner Sprache bedeuten die Grenzen meiner Welt\u201c (Tractatus 5.6). Die Entwurfsmuster wurden zum Ursprung einer von ihm bevorzugten Entwurfsmustersprache. Mit der Hinwendung zu diesen linguistischen Aspekten, die in Alexanders Schaffenszeit der 1960\u2019er und 1970\u2019er Jahre Hochkonjunktur hatten und sogar in die Begr\u00fcndung eines <em>Lingusitic Turns<\/em> m\u00fcndeten, kamen semiologische Aspekte. Ein Bild sagt mehr als tausend Worte \u2013 schwupss sind da schon eine Reihe anderer Turns<em>, Semantic Turn<\/em>, <em>Pictorial Turn Iconic Turn<\/em>. Die Idee dieser Wendungen, denen gemeinsam ist, den besonderen Erkenntniswert von nicht-sprachlichen Bedeutungstr\u00e4gern zu betonen, bildete das n\u00e4chste benachbarte Gravitationszentrum. Alexander war <em>en Vogue<\/em> und ist es noch heute, wo wir wohl am ehesten unter den Ideen des <em>Spatial Turns <\/em>forschen, der Mitte der 90\u2019er Jahre an Bedeutung gewann und der Raumkonzepte, Raumwahrnehmung und gelebten Raum nicht mehr l\u00e4nger getrennt voneinander betrachten m\u00f6chte.<\/p>\n<p>Man muss diese Drehungen und Wendungen nicht gut finden und man muss sie sich schon gar nicht alle merken, aber auch das sind eben Begrenzungen, die die Ausma\u00dfe unseres etwas un\u00fcberschaubaren Themengebiets etwas besser abzusch\u00e4tzen helfen. Sich drehende benachbarte Galaxien, die sich hin-und-wieder mit ihren Spiralarmen gegenseitig ins Gehege kommen. Leitner f\u00fchrt die Idee, nach bekannten Mustern zu suchen, um daraus zu lernen, bis auf Goethe zur\u00fcck. Und das gilt auch in der eher antike-begeisterten Designtheorie als zumutbarer Startpunkt. Goethe als klassisches Scharnier zur Moderne bringt uns dann zu den ersten bekannter gewordenen Ans\u00e4tzen angewandter Entwurfsmuster, auf die Nancy Tanneberger hingewiesen hat. Moritz Meurer sei es gewesen, der als eifriger Professor f\u00fcr grafische Kunst die aufstrebenden Gewerbeschulen mit \u00dcbungen f\u00fcr angehende Gewerbemaler versorgte. Das war Mitte des 19. Jahrhunderts und wurde schon bald durch die Erfindung der Fotografie weiter befl\u00fcgelt. Wir befinden uns also wirklich auf den Spuren eindrucksvoller Vorg\u00e4nger. Immer noch nichts Neues \u2013 ich wollte doch einen neuen Aspekt benennen. Nun gut hoffentlich ist er neu, ansonsten gibt\u2019s Schelte \u2013 wir haben uns erlaubt, eine Diagrammatik von Horst Rittel zum Anlass zu nehmen, Entwurfsmustern zus\u00e4tzlich zu den sprachlichen Komponenten, eine theoretisch fundierte Diagramm-Darstellungsweise zu verpassen. Denn es gibt verbl\u00fcffende \u00c4hnlichkeiten zwischen den sprachlichen Gliederungen Christopher Alexanders und der eher mathematisch orientierten, reduzierten Darstellungsweise von Designprozessen Horst Rittels, der, ebenfalls in den 60\u2019er und 70\u2019er Jahren des 20. Jahrhunderts, besonders aktiv war, unter anderem an der legend\u00e4ren Hochschule f\u00fcr Gestaltung in Ulm. Tja, das ist es nun. Mit der ein oder anderen Erg\u00e4nzung wollen wir dieses, aus unserer Sicht besonders gut nachzuvollziehende Modell nutzen, um Muster, die wir in den vielen empirischen Untersuchungen aufgesp\u00fcrt haben, eine Form zu geben, die aus unsere Sicht geeignet scheint, Entwurfsmustern mehr Akzeptanz zu verleihen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>F\u00fcr alle die noch Luft und Mu\u00dfe haben, nun ein paar weitere Ausf\u00fchrungen zum Thema  Entwurfsmustern in der Lehr- und Lernraumplanung. Aber nur, wenn Sie noch Lust haben. 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