{"id":522,"date":"2010-06-09T08:06:03","date_gmt":"2010-06-09T06:06:03","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.tu-dresden.de\/lernen-durch-design\/?p=522"},"modified":"2018-12-13T16:27:18","modified_gmt":"2018-12-13T14:27:18","slug":"visual-thinking","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.tu-dresden.de\/lernen-durch-design\/2010\/06\/09\/visual-thinking\/","title":{"rendered":"Visual Thinking"},"content":{"rendered":"<p><strong><span style=\"text-decoration: underline;\">Visual Thinking<\/span><\/strong><\/p>\n<p>Der Artikel beschreibt auf Grundlage des Buches <em>The Back oft the Napkin \u2013 Solving Problems and Selling Ideas with Pictures<\/em> von Dan Roam die M\u00f6glichkeiten und Vorteile visuellen Denkens in betriebswirtschaftlichen Kontexten. Es zeigt auf, dass alle Probleme in Problemkategorien eingeordnet werden k\u00f6nnen und dass wir intuitive F\u00e4higkeiten unseres visuellen Systems sowohl auf das Wahrnehmen und Sehen dieser Problemlagen, als auch auf das Imaginieren von Probleml\u00f6sungen applizieren k\u00f6nnen. F\u00fcr die visuelle Pr\u00e4sentation von L\u00f6sungsvorschl\u00e4gen schl\u00e4gt Roam in einer Tabelle f\u00fcr jede Problemkategorie und f\u00fcr ein breites Spektrum m\u00f6glicher Pr\u00e4sentationsans\u00e4tze einen grafischen Grundtypus vor, der je nach L\u00f6sungsaussage und Erwartungen der Zuh\u00f6rer variiert und weiter elaboriert werden kann..<\/p>\n<p><strong>1.\u00a0\u00a0\u00a0 <\/strong><strong><span style=\"text-decoration: underline;\">Definition <em>Visual Thinking<\/em><\/span><\/strong><\/p>\n<p>Ausgehend von der \u00dcberlegung, was Business in seinen Grundz\u00fcgen ist, n\u00e4mlich das L\u00f6sen von Problemen, wirft Roam die Frage auf, ob es einen Weg gibt, dies noch schneller, \u00fcberzeugender und \u201emit mehr Spa\u00df\u201c zu tun. Er fragt au\u00dferdem, ob es M\u00f6glichkeiten gibt, erarbeitete L\u00f6sungen einfacher zu vermitteln. Seine Antwort hei\u00dft Visuelles<em> Denken<\/em>. Es ist f\u00fcr ihn eine Probleml\u00f6sungsstrategie, bei der wir unsere nat\u00fcrliche F\u00e4higkeit nutzen, sowohl mit unseren Augen, als auch mit unserem inneren Auge zu sehen<\/p>\n<p>1. um Ideen zu entdecken, die ansonsten unsichtbar w\u00e4ren,<\/p>\n<p>2. um diese Ideen schnell und intuitiv zu entwickeln,<\/p>\n<p>3. um danach diese Ideen anderen in einer \u00fcberzeugenden Art und Weise mitzuteilen.<\/p>\n<p>Die Vorteile dieser Strategie beschreibt er folgenderma\u00dfen:<\/p>\n<p>&#8211;\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Wir k\u00f6nnen so die Bilder weitergeben, die zwangsl\u00e4ufig beim L\u00f6sen von Problemen in unserem Kopf entstehen.<\/p>\n<p>&#8211;\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Es ist kein R\u00fcckgriff auf Technik n\u00f6tig \u2013 die Strategie ist unmittelbar und einfach.<\/p>\n<p>&#8211;\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Handgezeichnete Bilder k\u00f6nnen anderen in einer offeneren Atmosph\u00e4re mitgeteilt werden, sie laden st\u00e4rker zu Kommentaren, Diskussionen und Weiterentwicklungen ein.<\/p>\n<p>&#8211;\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Sie sind leicht ver\u00e4nderbar.<\/p>\n<p>&#8211;\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Vor den Zuh\u00f6rern step-by-step entwickelte Bilder sind leichter verst\u00e4ndlich als fertige IT-L\u00f6sungen.<\/p>\n<p>&#8211;\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Computer haben vorgefertigte built-in-tools, die oft nicht genau das aussagen, was eigentlich gemeint ist.<\/p>\n<p>An mehreren Stellen betont er, dass mit diesem von ihm entwickelten System aus seiner Sicht wirklich jedes Problem mit einer Grundausstattung an zeichnerischen Mustern und auch zeichnerischen F\u00e4higkeiten der Anwender gel\u00f6st werden kann.<\/p>\n<p><strong>2.\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 <\/strong><strong><span style=\"text-decoration: underline;\">Problemkategorisierung<\/span><\/strong><\/p>\n<p>Roam untergliedert alle auftretenden und zu l\u00f6senden Probleme in sechs Kategorien: die Wer\/Was-Probleme, die Wieviel-Probleme, Wann-Probleme, Wo-Probleme, Wie-Probleme und Warum-Probleme. Bei den Wer\/Was-Problemen m\u00fcssen zu deren L\u00f6sung involvierte Personen oder Objekte in den Blick genommen und analysiert werden. Bei Wieviel-Problemen geht es um spezifische Mengen die zur L\u00f6sung f\u00fchren, bei Wann-Problemen um tempor\u00e4re, bei Wo-Problemen um r\u00e4umliche Aspekte. Bei Wie-Problemen m\u00fcssen sich die Beteiligten mit prozessualen Aufgaben auseinandersetzen und bei Warum-Fragen mit kausalen. Diese Grundkategorien aller zu l\u00f6senden Probleme werden in Roam\u00b4s weiteren Ausf\u00fchrungen von Bedeutung sein, wenn es sowohl um das Wahrnehmen und Sehen von Problemen sowie um das Imaginieren von L\u00f6sungen geht.<\/p>\n<p><strong>3.\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 <\/strong><strong><span style=\"text-decoration: underline;\">Vier Schritte zum Visuellen Denken<\/span><\/strong><\/p>\n<p><strong>3.1\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 <\/strong><strong><span style=\"text-decoration: underline;\">Wahrnehmen<\/span><\/strong><\/p>\n<p>Roam erl\u00e4utert im Folgenden, wie unsere intuitive Herangehensweise an vielf\u00e4ltige allt\u00e4gliche Probleml\u00f6sungen auch auf Business-Probleme angewendet werden kann. Er gliedert diesen Prozess in vier Schritte. Der erste Schritt ist das wahrnehmen, das hei\u00dft, das ungeordnete Sammeln und Scannen von Informationen aus unserer Umwelt und das Erreichen einer vagen Einsch\u00e4tzung ihrer Relevanz f\u00fcr eine Probleml\u00f6sung. Dabei sind vier Aspekte wichtig. Zun\u00e4chst m\u00fcssen alle Informationen gesammelt werden, die verf\u00fcgbar sind, um von Beginn an eine repr\u00e4sentative Auswahl an Einflussfaktoren auf das Ergebnis zu haben. Danach ist es wichtig, all diese Informationen auch sichtbar zu machen, d. h. sie m\u00fcssen im Probleml\u00f6sungsprozess visuell verf\u00fcgbar sein. Informationen die abgeheftet in Ordnern belassen werden, sind beispielsweise f\u00fcr gesch\u00e4ftliche Probleml\u00f6sungsprozesse irrelevant.<\/p>\n<p>Dann muss damit begonnen werden, die ausliegenden Daten und Informationen nach Grundkoordinaten zu ordnen. Grundkoordinaten k\u00f6nnen hergeleitet werden aus den im Punkt 2 genannten Fragestellungen zur Kategorisierung der Problemcluster. An dieser Stelle wird deutlich, dass das von Roam entwickelte System sehr stark betriebswirtschaftliche Fragestellungen im Blick hat. Bei sozialen, politischen oder kulturellen Entscheidungsprozessen d\u00fcrfte es oft schwer fallen, f\u00fcr zu l\u00f6sende Probleme eindeutig die von Roam entwickelten Koordinaten aufzuzeigen.<\/p>\n<p>Nach der Entdeckung und Erstellung der Grundkoordinaten des Problems muss visuelle Selektion stattfinden. Daten und Informationen, die irrrelevant f\u00fcr die Probleml\u00f6sung sind m\u00fcssen aussortiert werden. Aus Roam\u00b4s Sicht sind dabei sogenannte pr\u00e4kognitive Attribute wichtig. Dies sind Gestaltmerkmale der gesammelten Informationen wie N\u00e4he oder Abstand zueinander, Farbe, Gr\u00f6\u00dfe, Orientierung, Ausrichtung, Form und Schattierung. Sind diese Merkmale bei Informationen gleich oder \u00e4hnlich, ordnet unser visuelles System pr\u00e4kognitiv diese Daten einander zu und betrachtet andere als irrelevant. Hierin k\u00f6nnte allerdings ein weiterer kritischer Punkt von Roam\u00b4s Ausf\u00fchrungen bestehen. Die Selektion von Daten in einem betriebswirtschaftlichen Entscheidungsprozess sollte n\u00e4mlich sowohl anhand inhaltlicher Fakten und nicht nach formalen Gestaltkriterien, als auch bewusst und nicht pr\u00e4kognitiv vorgenommen werden.<\/p>\n<p><strong>3.2\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 <span style=\"text-decoration: underline;\">Sehen<\/span><\/strong><\/p>\n<p>Sehen ist ein aktiverer Prozess als Wahrnehmen. Dabei werden die verbliebenen Informationen genauer betrachtet und versucht, kontextuelle Muster zu erkennen. Es werden quasi visuelle Informations-Bruchst\u00fccke zusammengef\u00fchrt um das zu l\u00f6sende Problem zu erkennen. Unser visuelles System beantwortet f\u00fcr die Orientierung in unserer Umwelt intuitiv genau jene Fragen, die Roam zur Kategorisierung der Problemcluster benutzt: Aus den Fragen Wer\/Was, Wie viel, Wo und Wann beantwortet es die Frage Wie und leitet daraus das Warum ab. Diese intuitive visuelle Herangehensweise kann bewusst auch f\u00fcr das Definieren von Fragestellungen genutzt werden, um damit einen Ausgangspunkt f\u00fcr Probleml\u00f6sungsprozesse zu haben.<\/p>\n<p><strong>3.3\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 <span style=\"text-decoration: underline;\">Imaginieren<\/span><\/strong><\/p>\n<p>Imaginieren ist die \u00dcbersetzung der konkreten Informationen, Muster und Koordinaten, die wir in der realen Welt gesehen haben, in abstrakte Bilder vor unserem inneren Auge, so dass wir sie kognitiv bearbeiten k\u00f6nnen. Um diese F\u00e4higkeit des Sehens mit dem inneren Auge zu trainieren, hat Roam ein \u00dcbungsprogramm entwickelt &#8211; SQVID. Es aktiviert einerseits unser inneres Auge, um volle Vorstellungskraft f\u00fcr ein imaginiertes Bild entwickeln zu k\u00f6nnen, und andererseits trainiert es uns, beim Imaginieren von Bildern f\u00fcr Probleml\u00f6sungen die visuellen Erwartungen und Bed\u00fcrfnisse unserer Zuh\u00f6rer antizipieren zu k\u00f6nnen. Das K\u00fcrzel SQVID ergibt sich aus den Anfangsbuchstaben der zu visualisierenden Eigenschaften des Pr\u00e4sentationsgegenstandes. Roam m\u00f6chte mit dem \u00dcbungsprogramm dazu anregen, vor der Pr\u00e4sentation genau zu \u00fcberlegen, welche visuellen Botschaften wir \u00fcbermitteln wollen, d.h. welche Bilder geben unsere Informationen am besten wider und welche Art von Bildern k\u00f6nnten die Zuh\u00f6rer am ehesten erwarten und genau auf ihre Sehgewohnheiten zugeschnitten sein. Soll das Bild eher simpel (S) oder eher elaboriert sein? Soll es eher die Qualit\u00e4t (Q) oder die Quantit\u00e4t des Problems wiedergeben? Soll es mehr f\u00fcr das Ziel (vision) oder den Weg zum Ziel der Probleml\u00f6sung (execution) stehen? Sollen eher individuelle Eigenschaften des Pr\u00e4sentationsgegenstandes (individual attributes) dargestellt werden, oder sollen seine Eigenschaften im Vergleich zu anderen L\u00f6sung herausgearbeitet werden. Sollen den Zuh\u00f6rern eher Ver\u00e4nderungen (changes) nahegebracht werden, die sich durch die Probleml\u00f6sung ergeben, oder der statische Zustand der L\u00f6sung. Entsprechend Roam\u2019s Idee besteht das \u00dcbungsprogramm nun in zwei Aufgaben: erstens soll f\u00fcr beide Pole aller f\u00fcnf Gegensatzpaare eine Visualisierungsm\u00f6glichkeit gefunden werden, zweitens soll \u00fcberlegt werden, welche der Visualisierungsm\u00f6glichkeiten am ehesten den Erwartungen und \u201aSeh\u2019-gewohnheiten der Teilnehmenden entspricht. Damit soll sowohl das eigene Imaginationsrepertoir trainiert werden als auch die F\u00e4higkeit, sich auf sein Auditorium einzustellen.<\/p>\n<p><strong>3.4\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 <span style=\"text-decoration: underline;\">Pr\u00e4sentieren<\/span><\/strong><\/p>\n<p>Wahrnehmen, Sehen und Imaginieren m\u00fcssen keine linear aufeinander folgenden Aktivit\u00e4ten sein. Sie k\u00f6nnen, wenn n\u00f6tig, wie ein Kreislauf immer wieder von vorn begonnen werden. Die Phase des Pr\u00e4sentierens jedoch kann erst begonnen werden, wenn die drei vorgelagerten Aktivit\u00e4ten abgeschlossen sind. \u201e \u2026 <em>only if we\u00b4ve already seen, looked and imagined well.<\/em>\u201c (Roam, S.129)<\/p>\n<p>Als Visualisierungshilfe ordnet der Autor allen sechs Problemkategorisierungen (siehe Punkt 2), bzw. den sechs Arten unserer Wahrnehmung je genau eine grafische M\u00f6glichkeit des Pr\u00e4sentierens zu. Es muss also vor der Pr\u00e4sentation gekl\u00e4rt sein, um welchen Problemtyp es sich handelt. F\u00fcr Wer\/Was-Probleme, bei denen es um qualitative Darstellungen geht, schl\u00e4gt Roam Portraits oder Objektskizzen als grafischen Grundtypus der Visualisierung vor, die sich an der \u00e4u\u00dferen Erscheinung des darzustellenden Objektes oder Subjektes orientieren und im Verlauf der Pr\u00e4sentation vor den Augen der Zuh\u00f6rer und Zuschauer step-by-step vervollst\u00e4ndigt werden. Um dabei sowohl die Hauptaussage des Vortrages als auch die Erwartungen des Auditoriums in die Visualisierung mit einzubeziehen, soll bei der letztendlichen Entscheidung \u00fcber die \u00e4u\u00dfere Form der Darstellung das SQVID-Modell angewendet werden (siehe 3.3). Der oder die Vortragende muss sich also im Vorfeld die Frage beantworten, ob f\u00fcr die Darstellung des Objektes oder Subjektes eher eine simple oder elaborierte, eine quantitative oder qualitative, eine ziel- oder prozessorientierte, eine individuelle oder vergleichende, oder eine statische oder auf Ver\u00e4nderung des Darstellungsgegenstandes abzielende Visualisierung g\u00fcnstig ist.<\/p>\n<p>F\u00fcr quantitative Wieviel-Probleme erweisen sich seiner Meinung nach Tabellen oder grafische Darstellungen als g\u00fcnstig, deren Grundstruktur Ausgangspunkt der Pr\u00e4sentation sein m\u00fcsse und im Verlauf mit Werten und Grafen gef\u00fcllt wird. Auch hier m\u00fcssen vor der Entscheidung \u00fcber das endg\u00fcltige Aussehen der Pr\u00e4sentation die \u00dcberlegungen des SQVID-Modells angestellt werden.<\/p>\n<p>Wo-Probleme befassen sich mit einer r\u00e4umlichen Darstellung und sollten daher eine skizzierte Landkarte zur Grundlage haben, die w\u00e4hrend der Pr\u00e4sentation mit landkartentypischen Objekten gef\u00fcllt werden kann. Wann-Probleme sollten mit Zeitstrahlen, Wie-Probleme mit Flussdiagrammen und Warum-Probleme mit variablen multiplen Skizzen dargestellt werden, die entsprechend der Problematik gegebenenfalls alle der vorher genannten Darstellungen einbeziehen. Selbstverst\u00e4ndlich soll laut Roam auch bei den drei letztgenannten Problemtypen deren endg\u00fcltige \u00e4u\u00dfere Form durch die algorithmische Anwendung des SQVID-Modells festgelegt und erst w\u00e4hrend der Pr\u00e4sentation\u00a0 vervollst\u00e4ndigt werden.<\/p>\n<p><strong>4.\u00a0\u00a0\u00a0 <\/strong><strong><span style=\"text-decoration: underline;\">Kritische Anmerkung<\/span><\/strong><\/p>\n<p>Wie schon der Untertitel von Dan Roams Buch <em>Visual Thinking. Solving Problems and Selling Ideas with Pictures<\/em>\u00a0 vermuten l\u00e4sst, hat der Autor die Pr\u00e4sentationsstrategie des visuellen Denkens vorwiegend f\u00fcr Manager entwickelt, die aus dem produzierenden, Dienstleistungs-\u00a0 oder Design-Gewerbe kommen, wo wirtschaftlicher Erfolg ma\u00dfgeblich davon abh\u00e4ngt, inwieweit es einem Unternehmen gelingt Produkt-, Dienstleistungs- oder Designprobleme zu l\u00f6sen und danach zu verkaufen. Roams Algorithmus hierzu ist demzufolge: <em>discover-develop-share\/sell<\/em>.<\/p>\n<p>F\u00fcr diesen gewerblichen Kontext ist es durchaus vorstellbar, dass nahezu alle anstehenden Probleme in die von Roam vorstrukturierten Kategorien eingeteilt, und danach entsprechend der von ihm entwickelten \u00dcberlegungs- und Entscheidungsroutine visualisiert werden k\u00f6nnen. Allerdings ist Roams Algorithmus sehr schematisch und l\u00e4sst bei seiner Anwendung kaum Raum f\u00fcr eigene kreative Pr\u00e4sentationsideen der Vortragenden.<\/p>\n<p>Jenseits der genannten wirtschaftlichen Bereiche ist Roams Modell jedoch kaum einsetzbar. Im Bereich von sozialem oder kulturellem Management und bei politischen Entscheidungen, wo Probleml\u00f6sungsprozesse und deren Pr\u00e4sentation ebenso h\u00e4ufig und von hoher Relevanz sind, k\u00f6nnen weder Probleme so eindeutig in die vorgegebenen Kategorien eingeteilt werden, noch in der Phase des Wahrnehmens die entsprechenden Grundkoordinaten f\u00fcr das Sammeln der relevanten Informationen gefunden werden. Soziale, kulturelle und politische Entscheidungsprozesse entziehen sich in den meisten F\u00e4llen aufgrund ihrer Komplexit\u00e4t, Individualit\u00e4t und ihres Bezogenseins auf soziale Dynamiken einer Einordnung in zwei- oder dreidimensionale Koordinatensysteme und eine sechsteilige Grundstruktur f\u00fcr Problemtypen. Daher hat der Dan Roam mit seiner Pr\u00e4sentationsstrategie des visuellen Denkens zwar wichtige Grundideen betriebswirtschaftliche Probleml\u00f6sungsprozesse geliefert, aber sein Anspruch, dass mit seinem Algorithmus alle Problemtypen visuell dargestellt werden k\u00f6nnen, muss kritisch hinterfragt werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Visual Thinking Der Artikel beschreibt auf Grundlage des Buches The Back oft the Napkin \u2013 Solving Problems and Selling Ideas with Pictures von Dan Roam die M\u00f6glichkeiten und Vorteile visuellen Denkens in betriebswirtschaftlichen Kontexten. Es zeigt auf, dass alle Probleme in Problemkategorien eingeordnet werden k\u00f6nnen und dass wir intuitive F\u00e4higkeiten unseres visuellen Systems sowohl auf [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":64,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[],"class_list":["post-522","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.tu-dresden.de\/lernen-durch-design\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/522","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.tu-dresden.de\/lernen-durch-design\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.tu-dresden.de\/lernen-durch-design\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.tu-dresden.de\/lernen-durch-design\/wp-json\/wp\/v2\/users\/64"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.tu-dresden.de\/lernen-durch-design\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=522"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/blog.tu-dresden.de\/lernen-durch-design\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/522\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":525,"href":"https:\/\/blog.tu-dresden.de\/lernen-durch-design\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/522\/revisions\/525"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.tu-dresden.de\/lernen-durch-design\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=522"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.tu-dresden.de\/lernen-durch-design\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=522"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.tu-dresden.de\/lernen-durch-design\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=522"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}