// FOKUS KUNST

EINE VERMITTLUNGSSITUATION VON ANNA GUSEWSKI, MARIA KRIMMLING UND ISABELL BALDERMANN


Das Problem mit der Sprache 

„Gespräche über Bilder sind bewegliche Gefüge, in denen das Sehen und Sprechen sich gegenseitig auf die Welt bringen.“ (Sturm 2010, S. 3)

Über Kunst zu sprechen ist fruchtbringend und hinderlich zu gleich, denn zum Einen wird durch das Verbalisieren Wissen erworben, zum Anderen kann man Gesehenes nicht auf die Art ausdrücken, wie man tatsächlich sieht. Dies problematisieren auch Herbold/Kirschenmann, die erklären, dass die standardisierte Sprache meist der inneren Wahrnehmung nicht gerecht wird und folglich keine Kongruenz zwischen Bild und Bildbeschreibung entstehen kann. (Herbold/Kirschenmann 2013, S. 3) Dieses dichotome Paradoxon kann auch als Begründung dafür gesehen werden, warum stets Mehrperspektivität und unterschiedliche Deutungen für Kunstwerke zulässig sein müssen, denn der subjektive Zugang zum Sehen und zur Sprache macht die Deutung unabschließbar und individuell. Weiterlesen

// MANFRED PAUL IM LEONARDIMUSEUM DRESDEN

EINE VERMITTLUNGSSITUATION VON JULIA SCHMIDT, ANJA WEBER UND ANNA SCHADE


Verortung

„Ein Museum ist eine gemeinnützige, ständige, der Öffentlichkeit
zugängliche Einrichtung im Dienste der Gesellschaft
und ihrer Entwicklung, die zu Studien- und Bildungszwecken,
zu Freude, Spaß und Genuss materielle Zeugnisse von
Menschen und ihrer Umwelt beschafft, bewahrt, erforscht,
bekannt macht und ausstellt.”
ICOM-Definition des Begriffs „Museum“ aus dem Code of Ethics for Museums 2003

Die Vergangenheit hinterlässt Zeugnisse, die gesammelt und für die Zukunft aufbewahrt werden müssen, um der Gegenwart eine Orientierungsmöglichkeit zu bieten. Ein Museum bietet diesen Wissensspeicher. Es ermöglicht das Erleben “authentischer Objekte” und die unmittelbare Konfrontation mit Originalen. Viele RezipientenInnen erleben diese Erfahrung sinnlicher und intensiver als die Begegnung mit Reproduktionen. Daraus resultierend steigt die persönliche Identifikation mit dem Museumsobjekt und die Motivation Hintergrundwissen zu erwerben.

Das Museum ist im Fach Kunst der zentrale außerschulische Kulturpartner, der für SchülerInnen und LehrerInnen neue Formen des Lehrens und Lernens befördert (Rupprecht 2016, S.267). Somit der optimale Ort, um eine “Ding- oder Bildkompetenz” jenseits der Fachdisziplinen zu erwerben, die zu einem sinnstiftenden Umgang mit den materiellen Überresten von Kultur befähigen. Diese umfasst die Fähigkeit, sich Objekten und Bildern in ihrem jeweiligen Kontext adäquat anzunähern und selbst Bedeutungen und Bilder zu generieren. Der Lernende nimmt während einer meist gemeinsamen und problemorientierten Bearbeitung relevanter und authentischer Aufgaben im konkreten Handlungskontext eine aktive Rolle ein (Rupprecht 2016, S.268 f.). “Weiter gefasst geht es darum, Kindern und Jugendlichen ‘Museumskompetenz’ zu vermitteln, das heißt, sie zu einem selbstbewussten und kritischen Umgang mit Museen als Orten des lebenslangen Lernens zu befähigen.” (Rupprecht 2016, S.269) Weiterlesen

// FOKUS BILD

 

EINE VERMITTLUNGSSITUATION VON JOHANNES GALLUS UND SABINE KRIEBITZSCH


1. Verortung

Dier Verortung unseres Themas „Bild“ separiert sich in einen fachwissenschaftlichen sowie fachdidaktischen Part. Zu Beginn wird die fachwissenschaftliche Seite beleuchtet, daran anschließend deren Auswirkungen auf die Fachpädagogik zusammenfassend vorgestellt. Die Entwicklung der letzten Jahre und Jahrzehnte bereitete der Gesellschaft eine Vermehrung bildhafter Darstellungen in allen möglichen Lebensbereichen. Die bildmediale Durchdringung wichtiger Gesellschaftsbereiche ist allgegenwärtig: Bilder in analoger oder digitaler Form sind ein eminenter Teil unseres Lebens: Wir rezipieren, produzieren und kommunizieren über und mit Bildern.

Böhme schreibt in seiner Theorie des Bildes von 1999: „Die Bilderwelten sind selbst zu wichtigen Bestandteilen oder Sektionen unserer Welt geworden“ (Böhme 1999, S.132). Aufgrund der Massenmedien und der daraus resultierenden, unaufhaltsamen Bilderflut, wurde es nötig den Begriff des Bildes zu erweitern. Ursprung dieser veränderten Sichtweise liegt in der kulturellen Wende – dem „pictorial“ (Mitchell 1992) und „iconic turn“ (Boehm 1994) des letzten Jahrhunderts, die eine Bildorientierte Kunstpädagogik hervorbrachte. Diese beiden Fachbegriffe beschreiben die Hinwendung zu einer Bildwissenschaft, die auf die Analyse von Bildern setzt. Das Element „Bild“ gewinnt gegenüber dem Element „Wort“ zunehmend an Bedeutung beziehungsweise übertrifft in der Gewichtung bereits das gesprochene Wort. Beispielhaft sei hier auf die intensive Emoji-Verwendung von Jugendlichen hingewiesen. Weiterlesen

// LISTEN AND WHISTLE – Vermittlungssituation zum Fokus Performance

EINE VERMITTLUNGSSITUATION VON ANNE PATZELT UND LILLY GÖBEL


[WE’VE COME A LONG WAY TO BE HERE TOGETHER]

Zunächst öffnet der Begriff Performance, unter welchem die von uns gestaltete Vermittlungssituation verlief, ein großes Spannungsgefälle. Malte Pfeiffer betont, dass Performance und Performativität mittlerweile ein Schlüssel- und Sammelbegriff in vielen Disziplinen geworden ist. (vgl. Pfeiffer / 2014 / S. 1) Die Extreme erschließen sich zwischen der künstlerischen Form der Performance und einer erfolgreichen Darstellung von etwas – eine gute Performance abliefern. Susanne Schittler stellt diese Gegebenheit als Ambivalenz zwischen einem „gelungenen Auftritt“ und „etwas Wilde[m], Unbezähmbare[m]“ dar. Genau an dieser Schnittstelle versucht unsere Vermittlungssituation zu fußen. Dazu zitiert Schittler McKenzie: „Und genau an dem Kreuzpunkt zwischen den beiden „Performance“- Verständnissen […] wird es spannend und weiterführend. Denn in eben dieser Differenz könnte das transformative Potenzial des Performativen liegen.“ (ebd.) Ein Spagat zwischen Spiel und Darstellen, zwischen Spontanität und Plan. Weiterlesen

// EINEN ORT ERLEBEN

EINE VERMITTLUNGSSITUATION VON PAMELA BUSCHMANN, SANDRA KRÄTKE UND LUISE HÄSSNER


 1. Verortung

„Diese [Kunstpädagogik] bedarf der anhaltenden Auseinandersetzung mit den unablässig sich entwickelnden und sich in Frage stellenden ästhetischen Praxen und künstlerischen Ausdrucksformen und –mitteln.“ (Dreyer / 2005 / S.41)

In unserer Vermittlungssituation, im Rahmen des Seminars „Zeitgenössische Modelle ästhetischer Bildung“, setzen wir uns mit dem Fokus „Ort“, konkret mit dem öffentlichen Raum, in Theorie und Praxis, auseinander. Nach Frey auch bezeichnet als „öffentlich zugängliche, verhäuslichte“ Räume.

Für ein erweitertes Verständnis des öffentlichen Raumes ist ein Begriff erforderlich, der Subjekt und Raum nicht mehr voneinander trennt bzw. Raum als etwas Äußeres betrachtet, der durch das Individuum genutzt und/oder gestaltet wird. Der Begriff des Raums kann allgemein als Synonym für Erdboden, Territorium oder Ort verstanden werden.

In der Raumsoziologie wird der „absolutistische Raumbegriff“ als eine eigene Realität und nicht als Folge menschlichen Handelns gesehen. Absolutistische Denkmodelle verstehen den Raum als Behälter oder Territorium, welcher Lebewesen und Dinge beinhalten kann. Relativistische Denkmodelle hingegen sehen den Raum als Ergebnis handelnder, sich bewegender Subjekte in einem Raum. Martina Löw entwickelte 2001 den „relationalen Raumbegriff“, welcher Subjekte und soziale Objekte mit dem Raum in Beziehung setzt und darüber hinaus deren jeweilige Lage zueinander berücksichtigt. Sie stellt fest, dass Räume in Wahrnehmungs-, Erinnerungs- oder Vorstellungsprozessen von Subjekten zu gesellschaftlichen Strukturen konstruiert werden. Sie bezeichnet dies als „Dualität von Raum“. Orte symbolisieren also nicht nur fixe Lokalitäten einer Land- oder Stadtkarte oder sind Teil einer Architektur. Orte sind ein flexibles und komplexes Konstrukt bestehend aus Menschen, Gefühlen, physikalischen Gegebenheiten, sozialen Strukturen und Gegenständen aller Art. Weiterlesen

Ein Blog des kunstpädagogischen Instituts der TU Dresden